GRAS und RFS vor VfGH gegen E-Voting

April 30, 2009

Unterschiedlicher könnten die Uni-Fraktionen ja kaum sein – trotzdem verbindet das GRAS (Grüne und Alternative StudentInnen) und den Ring Freiheitlicher Studenten etwas: Sie ziehen getrennt von einander, aber jeweils unterstützt durch die Mutterpartei, vor den Verfassungsgerichtshof gegen E-Voting. Hier die beiden Berichte:
GRAS wird E-Voting vor den VfGH bringen“ und „E-Voting: FPÖ-Studenten ziehen vor VfGH

Wieso beim FPÖ-Antrag für die Abschaffung von E-Voting die SPÖ als Zünglein an der Waage nicht mitgestimmt hat, bleibt bis heute ein Rätsel, wobei sich diese Partei doch immer kritisch geäußert hat – erst letztens Nationalratspräsidentin Prammer.


E-Voting-Bierdeckel von ÖH Uni Graz, HTU Graz und papierwahl.at

April 28, 2009

Die ÖH Uni Graz und HTU Graz hat mit und für papierwahl.at informative Bierdeckel zum Thema E-Voting herausgebracht (zum Vergrößern aufs Bild klicken):

Die Rückseite klärt auf:


Online-Wahlberechtigungsprüfung für ÖH-Wahlen – eine Ansicht

April 25, 2009

Die Wählerverzeichnisse liegen den ÖHs in Papierform auf, neuerdings auch online. Bis 30.4. kann man noch seine Wahlberechtigung prüfen.

Nach der Meldung, dass es durch E-Voting zu fehlerhaften Wahlverzeichnissen kommt, war ich etwas beunruhigt. Bisher kam es bei mir persönlich in meiner jahrelangen Studizeit nie zu Problemen mit der Wahlberechtigung, allerdings dürfte es oft Unstimmigkeiten geben.

Hier mein Gang durch die online Wahlberechtigungsprüfung (zum Vergrößern der Screenshots einfach auf das Bildchen klicken):

Startpunkt ist die Seite https://wahlberechtigung.oeh-wahl.gv.at/votingrights/ auf oeh-wahl.gv.at

bku00

Hier wählt man seine Uni aus, in meinem Fall die TU Wien. Dann kommt die Aufforderung zum Anmelden mit der Bürgerkarte.

bku01

Natürlich muss man davor auch die Bürgerkartenumgebung (BKU) starten. Das ist ein eigenes Programm, mit dem ich schon einige Probleme hatte, das man installieren muss, um die Bürgerkarte auslesen zu können.

Es gibt mehrere Bürgerkartenumgebungen, ich hab „trustDesk Basic“ von IT Solution aus keinem bestimmten Grund installiert. Ob die anderen besser wären, weiß ich nicht.

bku02

Nebenbei bemerkt: Was zum .. ist ein „Widerrufsdämon“? ;)

Dann das erste Problem: Das Zertifikat ist unbekannt!

bku03

Eigentlich hab ich drauf gehofft, dass dieses Problem schon beseitigt wurde. Als besorgter Bürger/Studi hätte ich hier wahrscheinlich aufgehört. Probleme und Ausnahmen sollten doch wirklich bei keiner Wahl vorkommen.

Zähne knirschend füge ich im Firefox eine Ausnahme hinzu.

bku04

Dann muss ich die Daten nochmal senden.

bku06

Jetzt fängt die BKU zum Arbeiten an…

bku05

… und schickt mir schon ein Login.

bku07

Ich gebe meine PIN ein und bekomme einen Fehler.

bku08

Also war es wohl die falsche PIN.

bku09

Ich gehe mit dem Browser in der History zurück und versuche nochmal und siehe da, es geht. Jetzt wird noch eine PIN von mir abgefragt!? Ich hab doch gerade eine eingegeben.

bku10

Es gibt also eine PIN für die Karte und eine zweite für die Signatur. Sehr umständlich. Ich überlege und mir fällt ein, dass es eine zweite längere gab, die ich bei der Anmeldung eingeben musste. Ich gebe also die zweite ein …

bku11

… und erfahre, dass ich nicht wahlberechtigt bin. Wie kann das sein? Dabei hab ich extra wieder inskribiert! Zum Stichtag den 7.4. war ich auf jeden Fall ordentliche Studentin an der TU Wien. Also muss ich mich an die Wahlkommission wenden und folge dem Link.

bku12

Dort erfahre ich nicht, wie man rechtsmäßig Einspruch geltend machen kann, dafür E-Mail-Adressen. Ob eine E-Mail reicht oder ein Einspruch schriftlich (mit Unterschrift oder was auch immer) erfolgen muss, weiß ich nicht.

bku13

Mal schauen, ob ich eine Antwort erhalte.

Jedenfalls ist es ein interessanter Zufall, dass papierwahl.at-Gründer nicht wahlberechtig sind.


ÖH-Wahlen: fehlerhaftes Wahlverzeichnis

April 24, 2009

Die ÖH Uni Graz gibt in einer Pressemitteilung bekannt, dass das Wahlverzeichnis für die kommenden ÖH-Wahlen einige Fehler enthalten soll:

Zahlreiche Personen, darunter auch der Spitzenkandidat einer wahlwerbenden Gruppe, scheinen trotz aufrechter Zulassung zum Studium nicht im WählerInnenverzeichnis auf.
[...]
Zusätzlich sind einige Studierende laut WählerInnenverzeichnis für Studienrichtungen wahlberechtigt für die Sie nicht inskribiert sind oder es fehlen gültig inskribierte Studienrichtungen.

Um Probleme bei der Wahl zu vermeiden, fordert die ÖH alle Studierenden auf, Einsicht ins Wahlverzeichnis zu nehmen und gegebenenfalls Einspruch einzulegen. Das kann noch bis 30.04.2009 geschehen.

Auch die Futurzone berichtet in einem Artikel:

Die ÖH der Universität Graz hat gemeldet, bei Stichproben zahlreiche Fehler im Wahlverzeichnis zur ÖH-Wahl gefunden zu haben. Die Fehler seien auf das neue zentrale Wahlverzeichnis für das E-Voting-Projekt zurückzuführen, so ein Sprecher der ÖH. Das Wissenschaftsministerium weist darauf hin, dass Fehler auch früher vorgekommen seien. ÖH und Ministerium fordern die Studierenden dazu auf, ihre Daten zu überprüfen.


Irland entsorgt Nedap-Wahlcomputer

April 24, 2009

Einspruchsführer in Deutschland Ulrich Wiesner berichtet:

Nach Angaben des für die Wahlcomputer zuständigen Ministeriums für Umwelt, Denkmalschutz und kommunale Angelegenheiten werden die im Jahre 2003 angeschafften Wahlgeräte nicht länger gelagert und nun entsorgt. Die Republik Irland hatte die Maschinen für das gesamte Land angeschafft, dann aber nie verwendet. Nach öffentlicher Kritik an der mangelnden Transparenz und Überprüfbarkeit elektronischer Wahlen hatte die Regierung eine Kommission für Elektronische Wahlen eingesetzt, die sich schließlich gegen den Einsatz der Geräte aussprach. Die irischen Wahlcomputer sind mit den auch in den Niederlanden und Deutschland nicht mehr eingesetzten Geräten weitgehend baugleich.

Irland ist nach Deutschland und Finnland dieses Jahr nun ein weiteres europäisches Land, das sich gegen E-Voting entscheidet.

Nachtrag: Auch in der Futurezone


Alibi-Aktion: „Einsicht in den Sourcecode“ der ÖH-Wahl

April 23, 2009

Nun ist es offiziell: Vertreter der ÖHs bekommen „Einsicht in den Sourcecode“ (Quelle futurezone):

Diese betrifft Wahlserver und -client, aber nicht die Wahladministrationssoftware für die Wahlkommissionen. Sie wird am 8. Mai stattfinden, voraussichtlich in Räumlichkeiten des Bundesrechenzentrums (BRZ), das mit der technischen Durchführung des E-Votings betraut ist.

An dieser Einsichtnahme werden rund 250 berechtigte Personen teilnehmen, die mit der Wahl zu tun haben: Repräsentanten der wahlwerbenden Gruppen, Wahlkommissionsmitglieder und Wahlbeobachter. Sie sollen prüfen, inwieweit die Kernkomponenten der E-Voting-Software die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen erfüllen. Außerdem soll „Akzeptanz für die Abwicklung der Wahl“ erzeugt werden.

Das Amüsante an der Sache: Sie bekommen „Zugang“ nur zu einem Teil des Sourcecodes, das für nur wenige Stunden und sie können sich den Sourcecode nur – nach Unterzeichnung eines NDAs (Stillschweigevereinbarung) – auf Rechnern im BRZ unter Aufsicht ansehen!

Für Techniker und Software-Entwickler ist diese Aktion nur ein Witz und sogenannte „Pflichterfüllung der Gesetzesvorgaben“, denn dieses Vorgehen bedeutet nicht mehr als eine Alibi-Aktion. Selbst Experten haben oft auch nach Monaten Arbeit und Analyse an komplexer Software Schwierigkeiten, das System vollständig zu erfassen. Abgesehen davon könnten gefundene Fehler nicht mehr behoben werden, da die Zeit zu knapp ist.

Übrigens wäre auch eine Offenlegung des Zertifizierungsprotokolls des A-SITs interessant (wie genau wurde zertifiziert und was wurde eventuell gefunden), es ist aber nicht zugänglich.


All your votes are belong to us

April 20, 2009

Mit der 2003 gegründeten und in Texas beheimateten Lobbygruppe Election Technology Council (ETC) und deren Publikationen konnte man schon früher Spaß haben. Im ETC sind die Top Vier der Hersteller von elektronischen Wahlsystemen vereint: ES&S, Sequoia, Premier (ehemals Diebold) und Hart Intercivic. Vor ein paar Tagen nun ein neuer Reißer: Open Source – Understanding its Application in the Voting Industry.

Die ETC kommt darin zu dem Schluss, dass die Offenlegung des Sourcecodes ein Sicherheitsrisiko für eine computerisierte Wahl wäre. So weit, so wenig überraschend – allerdings wird in dem Papier durchgehend das Konzept von Open Source und offengelegtem Quellcode durcheinandergebracht.

Dan Wallach, der im Department of Computer Science der Rice Universität in Houston arbeitet und bekannt für seine Mitarbeit am Diebold-Report von Aviel Rubin ist, hat nun eine lesenswerte Analyse des ETC-Papiers vorgelegt. (Wer Mister Wallach auch mal hören möchte, kann ein Interview mit ihm zum Thema Wahlcomputer als mp3 klicken.)

Wallach schreibt zu Beginn zwar etwas resigniert:

Sometimes, working on voting seems like running on a treadmill. Old disagreements need to be argued again and again. [1]

Aber es lohnt sich durchaus, seine Argumentation und auch die teilweise anregenden Kommentare zu lesen.

[1] Freedom to Tinker.

ccc wahlcomputer-logo e-voting


htu_info: „Komm zur Papierwahl!“

April 20, 2009

Die Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der TU Wien wirbt in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitung htu_info (Nr. 02/2009 Frühling) für die Papierwahl:

e-voting htu_info papierwahl

Hier das PDF der Ausgabe (10 MB).


Zeitschriftenbeitrag: „Risiken von E-Voting“

April 16, 2009

[Dieser Beitrag ist auch auf electrobabe.at zu finden]

papierwahl.at-Gründerin Barbara Ondrisek veröffentlichte einen Beitrag für das wissenschaftliche Journal Informatik-Spektrum (Springer Verlag), der das Problem bei E-Voting und den Vorteil von Papierwahlen zusammenfasst:

.

Risiken von E-Voting – Sicherheit und Probleme elektronischer Wahlen
Zeitschrift Informatik-Spektrum
Verlag Springer Berlin / Heidelberg
ISSN 0170-6012 (Print) 1432-122X (Online)
Kategorie HAUPTBEITRAG
DOI 10.1007/s00287-009-0341-x
Fachgebiete Informatik
SpringerLink Date Freitag, 3. April 2009
pdf_iconPDF (181,7 KB)

Zusammenfassung E-Voting ist ein sehr kontroverses Gebiet. Die Wahlbeteiligung nimmt kontinuierlich ab, weshalb einige Politiker meinen, ein Allheilmittel entdeckt zu haben: Internetwahlen als zusätzliche Wahlmethode. Obwohl IT-Experten und Datenschutzrechts-Spezialisten sich gegen elektronische Wahlen aussprechen, wird es in Österreich bei der kommenden Wahl der Österreichischen HochschülerInnenschaft im Frühling 2009 dennoch einen Echtwahlversuch mit Internetwahlen geben. Die Vorteile von E-Voting wie Erhöhung der Wahlbeteiligung durch zusätzliche Wahlkanäle und Kostenersparnis wurden allerdings durch Studien bereits entkräftet: Durch elektronische Verfahren seien vielmehr die Wahlrechtsgrundsätze gefährdet und die Transparenz des Wahlvorgangs ginge verloren, meinen Kritiker.

pdf-previewaxd

Privacy, Disclaimer, Terms and Conditions, © Copyright Information

.

PS. Danke Michaela Chiaki Ripplinger von communicate for you fürs Korrekturlesen!


Internationales: Russen wählen per Handy 2011, Indien im Frühling per Wahlcomputer

April 16, 2009

Russen können über eine Java-Applikation ihr Parlament ab 2011 per Handy (das sogenannte „m-voting“, also „mobile voting“) wählen (derStandard berichtet):

Um an der Wahl per Handy teilzunehmen, muss der Wahlberechtigte eine Telefonnummer bekannt geben. Am Wahltag wird ihm ein spezielles Java-Programm auf das Telefon zugesandt. Diese Software ermöglicht es dem Wähler, seine Stimme abzugeben. [..] Die Technologie sei zwar einfach, jedoch nicht vergleichbar mit jenen Abstimmungsmethoden, die beispielsweise beim Eurovisions-Songcontest zum Einsatz komme, stellt der Chef der Wahlkommission klar.

In Indien hingegen wird hingegen vom 16. 4. bis zum 13. 5. mittels Wahlcomputer abgestimmt werden (ulrichwiesner.de berichtet):

Seit 1998 setzt die Indische Wahlkommission Wahlcomputer ein, die sie gemeinsam mit zwei staatseigenene Unternehmen entwickelt hat. Bei den letzten Unterhauswahlen im Jahre 2004 kamen etwa eine Million der rund 300 US$ teuren, batteriebetriebenen DRE-Geräte zum Einsatz

Ein DRE-Gerät ist ein direct-recording electronic (DRE) E-Voting-System, das die Stimme direkt am Gerät aufzeichnet, z.B. Touchscreen-Wahlmaschinen. Der Begriff kommt aus den USA, wo es eine Reihe von Problemen mit diesen Geräten gab, im deutschsprachigen Raum verwenden wir den Ausdruck „Wahlcomputer“.