Optische Scanner

Als Alternative zu Wahlcomputern finden immer mehr optische Scanner-Systeme Anwendung. Dafür werden häufig die Wahlzettel so angepaßt, daß der Zählcomputer sie besser einlesen kann. Hier ist ein typisches Bild, wie Wahlzettel dann gestaltet werden.

Die Anbieter solcher optischen Scanner versprechen, daß die Vorteile des Papiers erhalten bleiben, aber die Zählung schneller erfolgen kann. Wenn Probleme auftauchen, können händische Nachzählungen schließlich stattfinden, denn das Papier ist ja vorhanden.

Solche Systeme werden bereits seit den 1960er Jahren entwickelt. In der Realität sieht es aber manchmal anders aus als in den Versprechungen der Werbebroschüren. Das zeigte sich beispielsweise in London, wo erst gar keine Stichprobenzählungen vorgesehen waren, um Softwarefehlern der Scanner oder Manipulationsversuchen auf die Schliche zu kommen.

Aktuell gibt es ein Beispiel aus New York City, auch dort wurden die Markierungen mit Stift auf Papier vorgenommen und danach gescannt. Die dortigen Scanner der Marke „Imagecast“ konnten einige Stimmabgaben aber nicht erkennen, wenn ein Wähler etwa statt der vorgeschriebenen Ellipse einen Kreis beim präferierten Kandidaten gezeichnet hat.

Das gab natürlich in einigen Wahlbezirken ordentlich Streit, in umstrittenen Fällen sogar mehr als siebzig Tage lang. Einem der Gewinner, dem Demokraten Cece Tkaczyk aus dem County Montgomery, blieben nur 18 Stimmen von über 100.000 als Vorsprung. Die Papierstimmen wurden bizarrerweise dennoch nicht nachgezählt.

Die „Daily News“ aus New York holten sich daraufhin mit Hilfe des Informationsfreiheitsgesetzes über 18.000 eingescannte Bilder dieses Countys und ließen sie prüfen. Das Ergebnis:

The study turned up seven ballots on which voters selected a candidate without being detected by scanner. Extend that error rate over the entire district and the total number of missed votes in a race decided by 18 ballots climbs to 51.
While it is highly probable that Tkaczyk would still prevail […], the results show that certifying a winner in a very narrowly divided primary could last far longer than the three weeks now scheduled between the primary and runoff.“ [1]

Neben bloßen Fehlern sind aber auch Anfälligkeiten für Manipulationen bekannt: Schon 2005 hat Harri Hursti (pdf) gezeigt, daß optische Systeme angreifbar sind.

Aber keine Angst, das wird sich in New York nicht wiederholen. New York City wird zu mechanischen Hebelmaschinen zurückkehren (kein Witz, siehe Quelle).

[1] Daily News America: Good machine politics, 25. Juni 2013.
ccc

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SMS-Voting bei Wahl eines Wiener Patientenombudsmanns

Wiener können von 14. bis 23. Juni per SMS* einen neuen Patientenombudsmann der Ärztekammer wählen.

Abstimmungen per SMS sind zwar per Definition nicht anonym wie etwa bei Gebietskörperschaftswahlen (Stichwort geheimes Wahlrecht), allerdings wird in diesem Fall komplett auf Sicherheit verzichtet, da unter anderem pro Handynummer und nicht etwa pro Person gezählt wird (Stichwort gleiches Wahlrecht).

Papierwähler Prof. Peter Purgathofer findet dies höchst fragwürdig [Quelle: orf]:

„Die, die wahrheitsgemäß ihre Stimme abgeben, müssen darauf vertrauen, dass dies alle anderen Wähler auch tun.“
Wenn jemand aber drei Handys besitzt, habe er drei Stimmen.

Zudem „leiden“ SMS-Wahlen unter allen Sicherheitsmängeln, die mit Distanzwahlen (vgl. Internetwahlen, Briefwahl) einhergehen wie Wahlbeeinflußung oder Stimmenkauf, und natürlich auch der kompletten Bandbreite an Risiken, die allgemein mit E-Voting zusammenhängen z.b. Tranzparenz der Wahl oder Hackerattacken, um nur einige zu nennen.

Bedenklich in diesem Zusammenhang die Aussage von Wiener Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres, der indirekt zur Wahlmanipulation sogar aufruft [Quelle: orf]:

[Szekeres] gehe davon aus, dass es keine Schummeleien gibt. Es wäre ein extremer Aufwand: „Und wenn jemand diesen Aufwand auf sich nimmt, hat er so viel Ehrgeiz, das zu werden, dass er das wahrscheinlich auch verdient“

Weitere sicherheitsrelevante Details, wie etwa, ob es einen Übereilungsschutz gibt (also ob man seine Wahl revidieren kann und statt A lieber B wählen kann), ob auch ungültige Stimmen ausgewertet werden, oder wie es sich mit Auslandsösterreichern verhält etc.etc., ist leider nicht bekannt.

Wir fassen zusammen:

sms_wahl_wiener_parteiombudsmann

.

Info-Seite der Ärztekammer Wien zur SMS-Wahl.

* Die drei Kandidaten:

  • Franz Bittner, ehemaliger Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse
  • Josef Kandlhofer, früherer Generaldirektor des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger
  • Andrea Schwarz-Hausmann, Gesundheitsökonomin

Die Stimmabgabe erfolgt per SMS an 0800 60 50 40: „1“ für Bittner, „2“ für Kandlhofer oder „3“ für Schwarz-Hausmann.

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Probleme bei E-Voting in Belgien

Beim neuen E-Voting-System in Belgien kam es zu einigen Problemen verursacht durch den Hersteller Smartmatic:

Rop Gonggrijp beschreibt das Problem in seinem Artikel More on Belgian e-Voting.

As it turns out there’s a real problem with quite a few people unknowingly voting a preference for the candidate whose button (on the second screen), happens to be right where the button for his/her party was on the first screen.

[..]

It turns out PWC (“From the people that certified Diginotar”) did know about these problems after all.

[..]

How many “incidents” does it take for people to realize that the entire e-Voting industry is corrupt and/or incompetent?

Das fragen wir uns leider auch!

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2012 in review

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Hier ist ein Auszug:

600 Personen haben 2012 den Gipfel des Mount Everest erreicht. Dieser Blog hat 2012 über 5.900 Aufrufe bekommen. Hätte jede Person, die den Gipfel des Mount Everest erreicht hat, diesen Blog aufgerufen, würde es 10 Jahre dauern, um so viele Aufrufe zu erhalten.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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The Future of Voting

Was das elektronische Abstimmen in den USA angeht, kommt man wohl nur noch mit einer großen Portion Humor weiter (USA-Übersicht bei Daily Kos, neue Sicherheitsprobleme wegen Funktechnologien bei Wahlcomputern erklärt Joel Schectman). Deswegen hier nun der innovativste Vorschlag seit langem, wie man Technik, Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit optimal kombinieren kann. :}

Of course, if you decide to vote straight-ticket Republican, you can, alternatively, just hit the large red button right in the center of the machine and move on with your day. [1]

Das Video lässt sich nicht einbetten, aber man kann diesen Link hier klicken: The Future of Voting.

[1] Florida To Experiment With New 600-Lever Voting Machines.

 

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Freier Onlinekurs: Securing Digital Democracy

Auf coursera.org ist diese Woche ein Onlinekurs zum Thema Sicherheit von (elektronischen) Wahlen gestartet.

Unter dem Titel Securing Digital Democracy erklärt J. Alex Halderman von der University of Michigan – den man u.a. auch noch von den indischen Wahlcomputern kennen könnte – welche Anforderungen ein modernes Wahlsystem erfüllen muss, wo die Schwächen liegen und was man als aufgeklärter Bürger darüber wissen sollte.

Computer technology has transformed how we participate in democracy. The way we cast our votes, the way our votes are counted, and the way we choose who will lead are increasingly controlled by invisible computer software. Most U.S. states have adopted electronic voting, and countries around the world are starting to collect votes over the Internet. However, computerized voting raises startling security risks that are only beginning to be understood outside the research lab, from voting machine viruses that can silently change votes to the possibility that hackers in foreign countries could steal an election.

Der Kurs dauert insgesamt 5 Wochen und ist in 10 Lectures unterteilt. Nach jeder Woche kann man auch an einem Quiz teilnehmen, um das Erlernte zu überprüfen und im Forum zu dem Kurs, kann man sich mit anderen Leuten zu spezifischen Themen austauschen.

Die Teilnahme an dem Kurs ist kostenlos. Man braucht lediglich einen Account bei coursera und gute Englischkenntnisse.

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Wahlcomputer im Iran

Der Iran wird zukünftig auch E-Voting einsetzen:

„For the first time, the electronic voting will be widely used in Iran. The electronic voting takes place in the main polling stations of 14 provinces“

Danke Martin von wahlrecht.de für den Hinweis!

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