E-Voting und Online-Durchsuchung in der neuen Regierung

Eine neue österreichische Regierung wurde gebildet, womit auch ein neues Regierungsprogramm vorgestellt wurde (hier vollständig als PDF). Obwohl im alten Regierungsprogramm E-Voting noch deutlich zur Debatte stand, ist im neuen Papier davon gar nicht mehr die Rede – was nicht zwangsläufig heißen soll, dass E-Voting nicht eingeführt wird.

Während die E-Voting-Pläne der Verwaltung im Programm nicht explizit angesprochen werden, findet sich doch ein kleiner Hinweis darauf unter dem Punkt „Evaluierung der Briefwahl und Wählerevidenz“. Um „die Einsichtszeiten in die Wählerevidenz“ zu „optimieren“, sei „eine zentrale Wählerevidenz umzusetzen“. [futurezone]

Eine zentrale Wählerevidenz ist derzeit nicht vorhanden und das Zentrale Melderegister (ZMR) könnte derzeit aus rechtlichen Gründen nicht als Datenbank für ein E-Voting-System fungieren. Somit ist eine zentrale Wählerevidenz eigentlich der erste Schritt in Richtung digitale Stimmabgabe!

Das Wissenschaftsministerium bleibt bei der ÖVP, der alte Wissenschaftsminister sitzt ebenfalls auf der neuen Regierungsbank, womit die E-Wahl bei den kommenden ÖH-Wahlen nach wie vor möglich bleibt.

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Weiters werden im neuen Regierungsprogramm weiterhin die Möglichkeit eines Bundestrojaners nach deutschem Vorbild erwogen:

So legt die Regierung größten Wert auf Einführung der Online-Durchsuchung und verstärkten Austausch von Polizeidaten. Auch in Sachen E-Government und E-Card will die Koalition Druck machen. [futurezone]

Online-Durchsuchungen in Kombination mit Internetwahlen stehen in diametralem Widerspruch zum geheimen und freien Wahlrecht. Ebenso wurde vor einiger Zeit die Vorratsdatenspeicherung bestätigt, womit eine Speicherung einer E-Stimme ermöglicht wurde – und somit auch eine spätere Entschlüsselung von bis dahin verschlüsselten Stimmzetteln.
bundestrojaner

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Mögliche Angriffe auf Internetwahlen

Passend zum heutigen Artikel in der ORF-Futurezone „Zombie-Abwehr bei Online-Wahlen“ möchten wir erneut auf die Risiken von Internetwahlverfahren und mögliche Attacken hinweisen.

Einer der Angriffe, gegen die noch kein einfaches, wirksames Kraut gewachsen ist, sind definitiv Distributed Denial of Service-Attacken, also ein Angriff von zahlreichen Zombie-Rechnern eines Bot-Nets. Hinreichender „Schutz eines österreichweiten Online-Wahlvorgangs [käme] auf eine Summe zwischen fünf und zehn Millionen Dollar“, ein beachtliches Sümmchen – besonders im Vergleich zu den geschätzten Installationskosten von 400.000 Euro für die elektronischen ÖH-Wahlen.

Ein weiteres Problem sind sogenannte Man-In-The-Middle-Attacken, wo ein Angreifer (oder eine Angreiferin) in der Mitte der Kommunikationsenden steht und die Mitteilung, also die Stimme, abfangen und verändern kann.

Die fehlende Kontrolle der Wahlkommission über die Hardware und die Software ist ein sehr großes Problem. Bei Internetwahlen kann von jedem beliebigen Rechner aus die Stimme abgegeben werden, man braucht nur einen Browser. Ob der PC bereits virenverseucht ist, einen Trojaner oder Sniffer installiert hat, ist nicht kontrollierbar. Nebenbei bemerkt ist es schon interessant, dass die Regierung widersprüchliche Signale aussendet: Auf der einen Seite soll Vorratsdatenspeicherung praktiziert werden (nach wie vielen Jahren kann der Verschlüsselungsalgorithmus, mit dem die Stimme verschlüsselt wurde, gebrochen werden?), auf der anderen Seite soll der Bundestrojaner eingesetzt werden. So könnte man jedem Bürger oder jeder Bürgerin, der/die seine/ihre Stimme online abgibt, seine/ihre Wahl zuordnen.

Weiters ist das Problem der Rückverfolgbarkeit bei Internetwahlen gegeben, da jedem PC, der online ist, eine IP-Adresse zugeordnet ist, die eine Verbindung zu einer Person ermöglicht – vor allem bei Wahlen aus dem Ausland, wenn sich nur wenige Personen aus einem bestimmten Land ihre Stimme abgeben.

Die Netzwerk-Architektur des E-Voting-Systems ist ebenfalls ein Angriffsziel. Bei einem zentralen Dienst, wie etwa einem ZMR-Server, könnte ein beabsichtigter oder unbeabsichtigter Ausfall der Hardware gravierende Folgen haben.

Ein großes Problem bei Internetwahlen (wie auch bei jeder anderen Form von Distanzwahlen) ist der Stimmenkauf. Der Wähler oder die Wählerin gibt seine oder ihre Stimme in einer nicht von der Wahlkommission kontrollierten Umgebung ab. So kann es zu Beeinflussung durch Familienmitglieder (sog. „Family Voting“) kommen, oder zu Erpressungen.

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Oben erwähnte Angriffe sind spezielle auf Online-Wahlen anwendbar. Folgende Risiken bestehen bei allen E-Voting-Systemen, siehe auch „Was ist E-Voting? …und wo liegen die Probleme?“:

Innentäter-Angriffe sind allerdings ein weit größeres Problem, als Attacken von außerhalb. Bei Online-Wahlen genügt ein einziger „gekaufter“ Mitarbeiter, etwa ein Programmierer, der eine Hintertür in die Software eingebaut hat. Dieser Angriff basiert auf dem elektronischen Wahlen zugrunde liegenden Problem des Retail vs. Whole Sale Fraud. Bei einem sogenannten Whole Sale Angriff kann nur eine einzige Person das gesamte Wahlergebnis manipulieren. Im Vergleich dazu kann bei einem dezentralen Retail Angriff nur einige wenige Maschinen in einer kurzen Zeit manipuliert werden, wie auch bei unserer jetzigen Papierwahl..

Internetwahlen fehlt es an Tranzparenz, aussagekräftigen Audit-Verfahren, wie auch erneuten, aussagekräftigen Nachzählungen. Die elektronischen Stimmen werden so gespeichert, wie sie der Computer interpretiert. Eine erneute Auszählung ergibt immer das gleiche, vielleicht bereits im Vorfeld manipulierte Ergebnis. Die Auswertung findet in einer Blackbox statt, die selbst Fachleute kaum vollständig verstehen, geschweige denn den Weg der Stimme direkt nachverfolgen können, vgl. Papierwahl.

Meist ist die eingesetzte Software- oder Hardware wegen des Betriebsgeheimnisses nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Dieses Prinzip wird Proprietät genannt, in Techniker-Kreisen auch als Security-By-Obscurity bekannt: Der Sourcecode ist nicht der Öffentlichkeit zugänglich, der Weg der elektronischen Stimme ist somit nicht verfolgbar.

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Buchempfehlungen

Die meiste Literatur, die zum Thema elektronische Wahlen zu finden ist, gründet in den USA, da es hier schon weit früher als im europäischen Raum zum Einsatz von Wahlautomaten wie Hebelmaschinen oder Wahlcomputern kam. Hier eine Liste von hervorragenden Büchern, die sich mit E-Voting auseinander setzten:

buchcover_sicherheit_elektronischer_wahlen1 Barbara Ondrisek: Sicherheit elektronischer Wahlen: Eine Methode zur Bewertung und Optimierung der Sicherheit von E-Voting-Systemen Das einzige deutschsprachige Buch, das sich mit E-Voting und dessen Problemen beschäftigt. Es gibt eine gute Einführung in die Thematik und dient als Sammelwerk von Sicherheitsrisiken elektronischer Wahlen. Es wird ebenfalls die These bestätigt, dass elektronische Wahlen nie vollkommen sicher sein können. auf amazon
buchcover_brave-new-ballot1 Aviel Rubin: Brave New Ballot: The Battle to Safeguard Democracy in the Age of Electronic Voting Prof. Rubin beschreibt im Prosa-Stil seinen Weg von der Entdeckung und Analyse des Diebold Sourcecodes bis hin zu Wahlbeobachtungen und politischen Auswirkungen seiner kritischen Arbeit am Wahlmaschinen. auf amazon
buchcover_stealing_democracy Spencer Overton: Stealing Democracy: The New Politics of Voter Suppression Eine ausgezeichnete Übersicht über verschiedenste Mängel und Risiken bei US-amerikanischen Wahlen. E-Voting wird zwar auch behandelt, allerdings stehen allgemeine Probleme von Wahlen und generelle Manipulationsmöglichkeiten wie etwa Wahlkreismanipulationen oder politische Einflüsse zur Diskussion. auf amazon
buchcover_the-history-and-politics-of-voting-technology Roy G. Saltman: The History and Politics of Voting Technology: In Quest of Integrity and Public Confidence Dieses Buch gibt eine gute Übersicht über Zahlen und Fakten zu Wahlgerätschaften in den USA, angefangen von Hebelmaschinen, über optische Scanner, bis hin zu DRE-Wahlcomputern. auf amazon
buchcover_design-for-democracy Marcia Lausen: Design for democracy Das Buch im ungewöhnlichen Querformat zeigt Beispiele schlechter Usability bei Papierwahlen wie auch elektronischen Wahlen mit Fokus auf die USA. auf amazon
buchcover_election_fraud R. Michael Alvarez, Thad E. Hall, Susan D. Hyde (Hrg.): Election Fraud: Detecting and Deterring Electoral Manipulation (Brookings Series on Election Administration and Reform) Eine Sammlung von wissenschaftlichen und semi-wissenschaftlichen Beiträgen zu Wahlbetrug mit starkem Bezug auf die USA. auf amazon
buchcover_voting_technology Paul S. Herrnson: Voting Technology: The Not-so-simple Act of Casting a Ballot Eine Beschreibung der Durchführung und der Ergebnisse von Usability-Studien zu gängigen Wahlcomputern und Auditverfahren in den USA. auf amazon
buchcover_secure_electronic_voting Dimitris Gritzalis (Hrg.): Secure Electronic Voting (Advances in Information Security) Ein leider sehr teures Buch, das eine Sammlung von wissenschaftlichen Beiträgen zu E-Voting bzw. zu Sicherheit elektronischer Wahlen enthält. auf amazon
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Elektronische ÖH-Wahlen

Ob es bei den kommenden Österreichischen HochschülerInnenwahlen tatsächlich zu einem E-Voting-Echtwahlversuch kommen wird, ist noch nicht ganz klar. An einer neuen Ausschreibung wird gearbeitet. Genaue Informationen über Richtlinien zum Ablauf der Stimmabgabe, Voraussetzungen für Studierende oder welche Universitäten sich beteiligen sind derzeit noch nicht verfügbar. Bei der bereits angelaufenen Aktion studi.gv.at wirbt man bereits um Studierende für die Bürgerkarte mittels eines gratis Kartenlesegeräts.

Abstimmung über das Internet im April 2009 ist trotz Stilllegung von E-Voting für Nationalratswahlen in einer E-Voting-Parallelaktion dennoch geplant – gegen den Willen der ÖH und gegen die Bedenken des Datenschutzrates. Die ÖH wehrt sich erneut und verlangt, dass die E-Voting-Pläne begraben werden. Das Wissenschaftsministerium beharrt auf die Umsetzung.

Die erste Ausschreibung ist geplatzt, trotzdem scheint das Projekt auf Schiene zu sein, obwohl die Zeit ziemlich knapp wird. Bis zu einem Zuschlag nach einer erneuten Ausschreibung wird noch gewisse Zeit vergehen, Software und Hardware müssen aufgebaut und installiert werden und Testläufe dauern auch einige Zeit. Ob sich die geplante Investition von geschätzten 400.000 Euro überhaupt lohnen wird, wird die Zeit zeigen.

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Obwohl derzeit noch kaum konkrete Fakten verfügbar sind, hier ein paar Grundsätze zur ÖH-Internetwahl:

  • Die elektronische Wahl wird parallel zur Papierwahl stattfinden und ist nicht verpflichtend
  • Eine Registrierung für E-Voting ist notwendig
  • Man braucht eine Bürgerkarte für die Stimmabgabe, damit auch ein Kartenlesegerät (Signaturgesetz)
  • Die Stimme kann an jedem beliebigen Ort mittels Internetzugang abgegeben werden, auch im Park über 3G, im Bett über WLAN oder im Internetcafé

Über weitere Punkte kann man nur mutmaßen, wie etwa:

  • Die elektronisch abgegebene Stimme kann wahrscheinlich durch ein erneutes Abgeben widerrufen werden – so will man Stimmenkauf verhindern, Rückverfolgbarkeit ist aber ein Problem.
  • Wahrscheinlich ist die elektronische Abgabe nur vor den Wahltagen für die Papierwahl möglich. So könnte man durch eine Papierstimme die elektronische Stimme ungültig machen.

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Das ÖH-Wahlrecht (hier § 34 bzw. § 48) wurde schon vor einigen Jahren geändert, um E-Voting zu ermöglichen. Ein interessantes Detail noch zum Schluss: Im Gesetztestext steht:

[..] der Bundesminister kann nach Anhörung des Datenschutzrates [..] festlegen, dass bei den Wahlen die Stimmabgabe auch auf elektronischem Weg möglich ist

.. was passiert, wenn der DSR widerspricht, steht hier nicht.

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e-voting_jovp

[Das Bild wurde zwar schon vor einiger Zeit verwendet, passt aber wieder mal perfekt]

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Hessen ist vorläufig wahlcomputerfrei

Nachdem die Regierungsbildung in Hessen kürzlich scheiterte, sollen bei den Neuwahlen nächstes Jahr keine Wahlcomputer, im Bundesland Hessen, zum Einsatz kommen. Laut einem Schreiben des Innenministeriums, das heise vorliegt, wurde die nötige Verwendungsgenehmigung nicht erteilt:

Wie das hessische Innenministerium heute gegenüber heise online bestätigte, wird es zu der vorgezogenen Landtagswahl keine Verwendungsgenehmigung für den Einsatz der umstrittenen Nedap-Wahlcomputer erteilen. Dies habe der Landeswahlleiter den betreffenden Kommunen bereits schriftlich mitgeteilt. Die durch die gescheiterte Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung erforderlich gewordene Neuwahl am 18. Januar 2009 fällt genau in den Zeitraum, zu dem die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der Klage gegen die von Wählern und Wahlvorständen nicht mehr kontrollierbare elektronische Stimmerfassung und -zählung erwartet wird.

Ein Wermutstropfen bleibt dennoch: Die Verwendungsgenehmigung wird für jede Wahl einzeln ausgesprochen. Das heisst also, dass es derzeit kein generelles Verbot für Wahlcomputer in Hessen gibt, sondern sich dieses nur auf die vorgezogenen Landtagswahlen 2009 bezieht.


siehe auch:
Bundeswahlgeräteverordnung
Wahlcomputer: Zulassung, Anschaffung und Einsatz
Hessen – Landtagswahl am 27.01.2008

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„Österreich verabschiedet sich von E-Voting-Plänen“!

Im Ö1 Inforadio Sa, 08.11.2008 wurde über die Regierungsverhandlungen berichtet: E-Voting kein Thema mehr

Das von der ÖVP forcierte E-Voting wiederum soll kein Thema mehr sein – die SPÖ will darüber nicht einmal diskutieren.

Diese Meldung betrifft bundesweite Wahlen wie Präsidentschafts- oder Nationalratswahlen.

Ob es bei den ÖH-Wahlen überhaupt noch zu einem E-Voting-Versuch kommen wird, ist noch offen. Nachdem die Ausschreibung widerrufen wurde, kam es bisher zu keiner erneuten Ausschreibung (siehe Seite des Bundesvergabeamt), und die Zeit wird langsam knapp, da die Wahlen schon im April 2009 stattfinden werden.

Nach Unregelmäßigkeiten und der Aufdeckung von Sicherheitslücken in den USA und anderen Ländern waren elektronische Wahlmaschinen auch in der Alpenrepublik zunehmend in die Kritik geraten. Eine im Mai durchgeführte Umfrage hatte gezeigt, dass drei Viertel aller Österreicher dabei Datenmissbrauch befürchten. (heise.de)

Allerdings sollte man mal die endgültigen Regierungsverhandlungen abwarten, da es hier noch zu Änderungen kommen könnte. Kommt ein roter neuer Wissenschaftsminister, ist das Thema wahrscheinlich auch für die ÖH-Wahlen vom Tisch. Ob Online-Wahlen für Auslandsösterreicher (als Ersatz für die Wahlkarten) eingeführt werden, hängt stark von einem Echtwahlversuch an den Unis ab.

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US-Wahlen: Probleme finden wenig Beachtung

Eine erste Zusammenfassung zu den US-Wahlen gab es gerade schon. Ich möchte an dieser Stelle nochmal genauer auf die konkreten Probleme eingehen:

Während viele der „Mainstream Medien“, über den Sieg Obama’s berichten, ist die Berichterstattung über die aufgetretenen Probleme bei den eingesetzten Wahlsystemen, völlig unzureichend. Entweder wird überhaupt nicht berichtet oder die Sache wird heruntergespielt. So ist etwa in der Presse von „Kleinere technische Probleme bei der Stimmabgabe“ die Rede. Ähnlich bei der BBC die mit „No major glitches on election day“ titelt oder bei CNN „Voting machines cause few problems„. In dem Zusammenhang habe ich ein recht treffendes Statement auf Twitter gefunden, das dieses Verhalten der Medien kritisiert:

obama joy is pushing voter fraud stories way down if not completely out of the news. once again media betrays democracy.
[twitter.com/bicyclemark]

Es mag sein, dass sich die bekannt gewordenen Probleme wirklich nicht übermäßig auf das Ergebnis ausgewirkt haben. Ein äußerst bitterer Beigeschmack wird dennoch hinterlassen, denn:
1) kann niemand weitere Fehler oder gar Manipulationen ausschließen, die im Verborgenen bleiben (und dieses Restrisiko bleibt nun mal bei den derzeitig eingesetzten Systemen).
2) wären bei einer Wahl mit Papier und Stift der Großteil der Probleme nicht aufgetreten. Was nicht für die Benutzbarkeit der eingesetzten Technik spricht.

Jetzt aber genauer zu den Problemen. So berichtet etwa die taz folgendes:

Wie sich bereits bei Frühwahlen gezeigt hatte, sorgte die moderne Technik, die eigentlich das archaische papierbasierte US-Stimmsystem in die Neuzeit führen sollte, an vielen Orten im Land für Ärger.
[…]
In Maryland, wo sogar das Parlament 2007 beschlossen hatte, wieder zu den guten alten Stimmzetteln zurückzukehren, wird nur deshalb auch diesmal mit Computern gewählt, weil sich der Prozess bürokratisch nicht mehr stoppen ließ.

Untersuchungen und wissenschaftliche Studien zur Zuverlässigkeit der Geräte laufen in vielen Bundesstaaten. In Kalifornien kamen Sicherheitsforscher der University of California klipp und klar zu dem Schluss, dass Manipulationen an Wahlcomputern möglich seien.
[…]
Manchmal funktionieren die Geräte aber auch einfach überhaupt nicht. In Virginia meldeten gestern Dutzende Wahlbezirke Maschinen, die sich nicht in Gang setzen ließen. Das verlängerte die sowieso schon langen Schlangen weiter. Die meisten Wahlleiter waren zudem nicht bereit, dann einfach auf Papierstimmzettel umzusatteln – erst wenn alle Geräte in einem Wahllokal versagen, wurde dies zähneknirschend möglich gemacht, berichteten Betroffene im Internet.

Ähnliches lässt sich auch beim Spiegel finden:

In den Ostküsten-Staaten wie Virginia, Maryland und New York bildeten sich schon vor Morgengrauen lange Schlangen. In New York erklärte eine Sprecherin der Wahlkommission, die Menschen hätten sich in einigen Wahlkreisen schon gegen 4 Uhr am Morgen angestellt, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Nicht nur die Wähler hatten Grund sich zu beklagen, auch Wahlbeobachter wurden bei ihrer Tätigkeit behindert:

Ein Team von europäischen Wahlbeobachtern kritisierte, dass es bei seiner Arbeit zu den US-Wahlen behindert wird. […] Überrascht erfuhren die Beobachter, dass sie nur ein einziges, von den US- Behörden ausgesuchtes Wahllokal besuchen durften.

„Wir alle halten das für ein inakzeptables Vorgehen“, erklärte Meinhardt. „Einer Wahlbeobachterdelegation darf nicht vorgeschrieben werden, welche Wahllokale sie zu besuchen hat, geschweige denn, welche sie nicht besuchen darf.“ Gerade in Florida, dem Staat, in dem es bei den US-Wahlen im Jahr 2000 zu Unklarheiten gekommen war, hätte habe man sich ein höheres Maß an Sensibilität gewünscht.

Die Kritik sollte durchaus ernst genommen werden und eine größere Verbreitung finden.  Aber auch zu einem Umdenken, zumindest zu einem Problembewusstsein, führen. Bei vergangenen US-Wahlen hat sich immerhin gezeigt, dass auch relativ wenige Stimmen entscheidend sein können.
Desweiteren kann es nicht Sinn in einer Demokratie sein, das grundlegendste Recht des Bürgers, das Wahlrecht – von einem transparenten und sicheren Ablauf (Papierwahl) – in ein intransparentes und nicht den bisherigen Sicherheitsanforderungen gerecht werdendes System zu pressen.

John Hodgman fasst in der Daily Show die ganzen Bedenken auf äußerst humoristische Weise zusammen. Der Ausschnitt stammt zwar aus 2006, an der grundsätzlichen Kritik hat sich jedoch nichts geändert:

[direktlink]

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Weitere Probleme mit Wahlcomputern in den USA

Lange Schlangen vor den Wahllokalen, ausfallende Wahlmaschinen und überforderte, schlecht eingeschulte Mitarbeiter der Wahlkommission waren die häufigsten Probleme, über die amerikanische Wähler und Wählerinnen klagten.

Wie bereits berichtet, war die falsche Ausrichtung der Touchscreens bei DRE (Direct Recording Electronic) Wahlmaschinen ebenfalls ein großes Problem:

Dan Wallach, Computerwissenschaftler an der Rice University, sieht [..] besonders viele Fehlerquellen: „Da kann so viel schief gehen, dass es schon erstaunlich ist.“ Um die Geräte einzustellen, müssten bis zu 20 Punkte auf dem Bildschirm angeklickt werden, um eine Deckungsgleichheit zu erzielen. Diese Feinfühligkeit sei eine enorm große Fehlerquelle [taz.de].

Kim Zetter von Wired-Magazine schreibt in diesem Zusammenhang ihn ihrem „Threat Level“ Blog, dass, während ES&S Touchscreen Wahlmaschinen in West Virginia die Stimmen der Wähler änderten (sog. „vote flipping“), in West Virginia die Ministerin einem ES&S Vicepräsidenten den „Medallion Award“ verliehen hat.

Über eine versuchte Wahlkreismanipulation durch Ausschluss einer bestimmten Wählergruppe wegen falscher Informationen über das Wahltags-Datum (der Wahltag sollte verschoben worden sein) wurde ebenfalls berichtet.

John Gideon von VotersUnite.org hat auf Brad Friedmans Blog eine Liste mit weiteren aktuellen Berichten über Wahlmaschinen in den USA gesammelt.

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Im Vorfeld der Wahlen gab es bereits Probleme. Unglücklicherweise – für papierwahl.at – ist das Endergebnis der Präsidentschaftswahlen nicht besonders knapp ausgefallen, denn dann hätte es sicher einen lauteren Ruf nach Untersuchung der Geräte und Nachzählungen gegeben. Die Skepsis gegenüber den neuen Wahltechnologien bleibt bestehen (z.b. Angst vor der Wahlmaschine, Showdown für die Wahlmaschine), weitere Meldungen werden wahrscheinlich auch noch folgen, aber aie von manchen erwartete große Katastrophe ist ausgeblieben.

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Eine für Techniker eher amüsante Klage hat sich vor kurzem degen den Wahlmaschinenhersteller Diebold ergeben: Wahlmaschinen sollen Urheberrecht verletzen, wegen dem Einsatz der opensource Ghostscript PDF Processing Software.

Diebold soll demnach keine kommerzielle Lizenz für Ghostscript besitzen, sich aber auch nicht an die Bedingungen der GPL halten. [golem.de]

Eine GPL Lizenz ist zwar frei, aber eben nicht gratis.

USA-ELECTION/

[Bild Quelle: spiegel.de]

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Erste Unregelmäßigkeiten bei den US-Wahlen

Um 20:00 CET (14:00 US West Coast Time) sind bereits 58.000 Beschwerdeanrufe bei CNN wegen der Unregelmäßigkeiten und Pannen bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen eingegangen (Quelle: ZIB 20). Lange Schlangen sind meist der Grund, oder auch Probleme mit den dort eingesetzten Wahlcomputern.

So mussten die Wähler in einigen Wahlkreisen in New Jersey am Dienstag auf Wahlzettel aus Papier ausweichen, weil die Wahlcomputer nicht funktionierten. [..] Aus mehreren Bezirken um die Hauptstadt von Virginia, Richmond, wurden Probleme mit Wahlmaschinen und Computern gemeldet.

Dort [im Staat Virginia] lehnte es ein Richter [..] ab, in mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Stadtteilen die Öffnung der Wahllokale zu verlängern oder zusätzliche Wahlmaschinen aufstellen zu lassen.

berichtet der Standard „Erste Probleme bei der Stimmabgabe“

Mit weiteren Problemen und Unstimmigkeiten ist zu rechnen. Wir werden natürlich umfassend berichten.

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Update: Hier ein schön zynisches Video, in dem die Sequoia Wahlmaschinen sich selbst zum Präsidenten gewählt haben: Voting Machines Elect One Of Their Own As President

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Endlich eine Killerapplikation für die Bürgerkarte?

Aus dem elektronischen Zustelldienst zustellung.gv.at wird meinbrief.at, eine weitere E-Government-Anwendung, die man lediglich mit der Bürgerkarte bedienen kann, ganz ohne Login mit Benutzername und Passwort – selbst wenn man diese Variante bevorzugen würde. Dieser neue Dienst dient als Zustell-Plattform behördlicher Dokumente, wie etwa RSa-Briefe. Benutzerzahlen sind leider nicht ersichtlich, allerdings wären diese sehr interessant.

Die Bürgerkarte soll auch bei den kommenden ÖH-Wahlen im Frühling 2009 für ein Internetwahlverfahren eingesetzt werden. Ein ähnliches Konzept mit SmartCards wurde bereits bei Pilotversuchen der WU Wien erprobt. „Die ÖH-Wahlen gelten als wichtiger Testlauf für die Einführung des E-Votings auch bei Nationalratswahlen“ [futurezone] oder etwa auch für Internetwahlen ausschließlich für die 400.000 Auslandsösterreicher. Wenn der Echtwahlversuch allerdings scheitert, wäre das auch ein harter Rückschlag für E-Voting-Befürworter.

Vielleicht wurde mit dem elektronischen Zustelldienst nun endlich die Killerapplikation geschaffen, die der mangelnden Verbreitung der Bürgerkarte ein Ende machen wird. Mit studi.gv.at wurde vor kurzem ein weiterer Schritt gesetzt, bei dem Kartenlesegeräte verschenkt werden, gegen den sich aber Teile der ÖH wehrten. Nun folgt meinbrief.at als weitere Maßnahme. Mal sehen, ob nun Bürgerkartenanwendungen wie Schwammerl aus dem Boden sprießen werden.

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Update: Hier ein Versuch einer Verwendung der Bürgerkarte, der anschaulich in Screenhots zeigt, wie umständlich und unverständlich die Bedienung der Bürgerkarten-Applikation sein kann. Diese Screenshot-Reihe zeigt auch, wie viel Optimierungsbedarf noch auf dem Gebiet der Usability bei derart unerprobten Applikationen besteht!

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