SMS-Voting bei Wahl eines Wiener Patientenombudsmanns

Juni 13, 2013

Wiener können von 14. bis 23. Juni per SMS* einen neuen Patientenombudsmann der Ärztekammer wählen.

Abstimmungen per SMS sind zwar per Definition nicht anonym wie etwa bei Gebietskörperschaftswahlen (Stichwort geheimes Wahlrecht), allerdings wird in diesem Fall komplett auf Sicherheit verzichtet, da unter anderem pro Handynummer und nicht etwa pro Person gezählt wird (Stichwort gleiches Wahlrecht).

Papierwähler Prof. Peter Purgathofer findet dies höchst fragwürdig [Quelle: orf]:

„Die, die wahrheitsgemäß ihre Stimme abgeben, müssen darauf vertrauen, dass dies alle anderen Wähler auch tun.”
Wenn jemand aber drei Handys besitzt, habe er drei Stimmen.

Zudem “leiden” SMS-Wahlen unter allen Sicherheitsmängeln, die mit Distanzwahlen (vgl. Internetwahlen, Briefwahl) einhergehen wie Wahlbeeinflußung oder Stimmenkauf, und natürlich auch der kompletten Bandbreite an Risiken, die allgemein mit E-Voting zusammenhängen z.b. Tranzparenz der Wahl oder Hackerattacken, um nur einige zu nennen.

Bedenklich in diesem Zusammenhang die Aussage von Wiener Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres, der indirekt zur Wahlmanipulation sogar aufruft [Quelle: orf]:

[Szekeres] gehe davon aus, dass es keine Schummeleien gibt. Es wäre ein extremer Aufwand: „Und wenn jemand diesen Aufwand auf sich nimmt, hat er so viel Ehrgeiz, das zu werden, dass er das wahrscheinlich auch verdient“

Weitere sicherheitsrelevante Details, wie etwa, ob es einen Übereilungsschutz gibt (also ob man seine Wahl revidieren kann und statt A lieber B wählen kann), ob auch ungültige Stimmen ausgewertet werden, oder wie es sich mit Auslandsösterreichern verhält etc.etc., ist leider nicht bekannt.

Wir fassen zusammen:

sms_wahl_wiener_parteiombudsmann

.

Info-Seite der Ärztekammer Wien zur SMS-Wahl.

* Die drei Kandidaten:

  • Franz Bittner, ehemaliger Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse
  • Josef Kandlhofer, früherer Generaldirektor des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger
  • Andrea Schwarz-Hausmann, Gesundheitsökonomin

Die Stimmabgabe erfolgt per SMS an 0800 60 50 40: “1″ für Bittner, “2″ für Kandlhofer oder “3″ für Schwarz-Hausmann.


Probleme bei E-Voting in Belgien

März 3, 2013

Beim neuen E-Voting-System in Belgien kam es zu einigen Problemen verursacht durch den Hersteller Smartmatic:

Rop Gonggrijp beschreibt das Problem in seinem Artikel More on Belgian e-Voting.

As it turns out there’s a real problem with quite a few people unknowingly voting a preference for the candidate whose button (on the second screen), happens to be right where the button for his/her party was on the first screen.

[..]

It turns out PWC (“From the people that certified Diginotar”) did know about these problems after all.

[..]

How many “incidents” does it take for people to realize that the entire e-Voting industry is corrupt and/or incompetent?

Das fragen wir uns leider auch!


2012 in review

Dezember 30, 2012

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Hier ist ein Auszug:

600 Personen haben 2012 den Gipfel des Mount Everest erreicht. Dieser Blog hat 2012 über 5.900 Aufrufe bekommen. Hätte jede Person, die den Gipfel des Mount Everest erreicht hat, diesen Blog aufgerufen, würde es 10 Jahre dauern, um so viele Aufrufe zu erhalten.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.


The Future of Voting

September 29, 2012

Was das elektronische Abstimmen in den USA angeht, kommt man wohl nur noch mit einer großen Portion Humor weiter (USA-Übersicht bei Daily Kos, neue Sicherheitsprobleme wegen Funktechnologien bei Wahlcomputern erklärt Joel Schectman). Deswegen hier nun der innovativste Vorschlag seit langem, wie man Technik, Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit optimal kombinieren kann. :}

Of course, if you decide to vote straight-ticket Republican, you can, alternatively, just hit the large red button right in the center of the machine and move on with your day. [1]

Das Video lässt sich nicht einbetten, aber man kann diesen Link hier klicken: The Future of Voting.

[1] Florida To Experiment With New 600-Lever Voting Machines.

 

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Freier Onlinekurs: Securing Digital Democracy

September 6, 2012

Auf coursera.org ist diese Woche ein Onlinekurs zum Thema Sicherheit von (elektronischen) Wahlen gestartet.

Unter dem Titel Securing Digital Democracy erklärt J. Alex Halderman von der University of Michigan – den man u.a. auch noch von den indischen Wahlcomputern kennen könnte – welche Anforderungen ein modernes Wahlsystem erfüllen muss, wo die Schwächen liegen und was man als aufgeklärter Bürger darüber wissen sollte.

Computer technology has transformed how we participate in democracy. The way we cast our votes, the way our votes are counted, and the way we choose who will lead are increasingly controlled by invisible computer software. Most U.S. states have adopted electronic voting, and countries around the world are starting to collect votes over the Internet. However, computerized voting raises startling security risks that are only beginning to be understood outside the research lab, from voting machine viruses that can silently change votes to the possibility that hackers in foreign countries could steal an election.

Der Kurs dauert insgesamt 5 Wochen und ist in 10 Lectures unterteilt. Nach jeder Woche kann man auch an einem Quiz teilnehmen, um das Erlernte zu überprüfen und im Forum zu dem Kurs, kann man sich mit anderen Leuten zu spezifischen Themen austauschen.

Die Teilnahme an dem Kurs ist kostenlos. Man braucht lediglich einen Account bei coursera und gute Englischkenntnisse.


Wahlcomputer im Iran

März 25, 2012

Der Iran wird zukünftig auch E-Voting einsetzen:

“For the first time, the electronic voting will be widely used in Iran. The electronic voting takes place in the main polling stations of 14 provinces”

Danke Martin von wahlrecht.de für den Hinweis!


E-Voting-Pilotversuch “Vote Èlectronique”

März 14, 2012

Wie schon in den vergangenen Jahren wurden jüngst “Vote Èlectronique”-Versuche bei der Wahl in der Schweiz durchgeführt, diesmal in zwölf Kantonen. Wir hatten in den letzten Jahren schon mehrfach darüber berichtet.

19.229 Menschen nutzten das E-Voting. Wie erwartet wird auch diesmal vermeldet, dass die Anforderungen des Bundes zur eidgenössischen Volksabstimmung erfüllt worden seien, obgleich die Systeme nicht transparent sind, Implementierung und Funktionsweise der elektronischen Verfahren nicht offenliegen und die Sicherheit damit nicht unabhängig prüfbar ist. Das hatte sogar die ODIHR in ihrem Election Assessment Mission Report vor ein paar Monaten bemängelt. Die Bundeskanzlei spricht trotzdem und trotz einiger bekanntgewordener Schwachstellen bei Vote Èlectronique von einem Erfolg.

Mit Ausnahme der Piratenpartei ist Kritik an Vote Èlectronique in der Schweiz rar. Denis Simonet kritisiert zwar:

Doch die Legitimität der aktuellen Praxistests ist fraglich, zumal das Volk so weit nicht mitreden konnte. [1]

Doch er empfiehlt stattdessen das von den Schweizer Piraten verwendete “PiVote”, das die in Österreich und in Deutschland geltenden Grundsätze der Nachvollziehbarkeit und Transparenz von Wahlen allerdings nicht erfüllen würde, und er verweist ansonsten auf das “swiss e-voting competence center”.

Es stellt sich die Frage: Gibt es in der Schweiz eigentlich E-Voting-Gegner? Was sind deren Argumente? Wie organisieren sie sich?

Wir sind dankbar für jeden ernstzunehmenden Hinweis! :}

[1] Abstimmungen sind keine Miss-Schweiz-Wahlen!

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