Vortrag von Alex Halderman: Manipulationen von Wahlcomputern bei den US-Wahlen?

In den Vereinigten Staaten sind nicht-transparente und sicherheitstechnisch riskante Computersysteme für Wahlen verbreitet, nur einige haben papierne Nachweise der Stimmabgaben. Entsprechend gestaltet sich die Überprüfung der Abwesenheit von Softwarefehlern, menschlichen Irrtümern oder Wahlmanipulationen als schwierig bis unmöglich. Für Wahlhelfer und Wähler steht eben oft eine „Black Box“ im Wahllokal.

Dennoch sieht Alex Halderman keine Belege dafür, dass es tatsächlich absichtliche erfolgreiche Manipulationen von Wahlcomputern bei den US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 gegeben hätte. Der Computersicherheitsexperte will sie allerdings auch nicht ausschließen und verlangt für das Jahr 2020 daher erhebliche Nachbesserungen.

Das berichtet er in seinem Vortrag mit dem Titel Election Cybersecurity Progress Report – Will the U.S. be ready for 2020? auf dem 35. Chaos Communication Congress in Leipzig. Halderman spricht dabei nicht nur Schwächen der Wahlcomputer selbst an, sondern auch angreifbare Wahlinfrastrukturen.

halderman

Im Vortrag gibt er auch einen Überblick, welche Technologien in den Vereinigten Staaten aktuell im Einsatz sind und wo die Probleme damit liegen, insbesondere wenn die Computer veraltet und über sie mannigfaltige Sicherheitslücken bekannt sind. Einige erfreuliche Entwicklungen kann Halderman dabei berichten, da heute wieder mehr Stimmen auch auf Papier, also nachzählbar, festgehalten werden als in den vergangenen Jahren. Verantwortliche Politiker hätten zumindest teilweise bereits reagiert.

Natürlich spart der Wissenschaftler der Universität Michigan auch nicht an Anekdoten und Beispielen aus verschiedenen US-Bundesstaaten, die zuweilen Kopfschütteln verursachen. Halderman verlangt für die Zukunft, auf überprüfbare Wahlsysteme mit festen Regeln zum beweisfesten Testen zu setzen, um Angriffe abzuwehren oder zumindest nicht unbemerkt zu lassen. Die Ideen decken sich mit denjenigen im Bericht „Securing the Vote“, in dem noch weitere Vorschläge erarbeitet wurden, um auch die Wahlinfrastruktur abzusichern.

Die Umsetzung der Vorschläge sei kein Wunderwerk, sagt Halderman:

To defend our elections, we don’t need rocket science. […] Unfortunately today, our dialog about elections isn’t based on evidence. It is largely based on faith. […] But I think voters deserve better. [1]

Mit Vertrauen allein sei noch keine Wahlmanipulation abgewehrt. Dass es aber Fortschritte bei der Absicherung der US-Wahlverfahren gibt und noch bundesweite Standards im US-Kongress beschlossen werden, dafür zeigt Halderman immerhin einigen Optimismus.

[1] Haldermans Vortrag bei media.ccc.de ist auch als Audio-Datei verfügbar.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter e-voting, news abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s