Als unbedarfte kritische Studentin wollte ich ganz bequem von zuhause aus im Pyjama meine Stimme abgeben. Dabei habe ich, als Informatik-Studentin und Software-Entwicklerin zwei Fehler und andere Auffälligkeiten im Onlinewahlsystem für die ÖH-Wahlen gefunden! Und das nach nur 10 Minuten des Ausprobierens! Was hätte man wohl finden können, wären wir nicht komplett eingeschränkt gewesen bei der Sourcecode-Analyse.
Hier mein Weg als Ansichtssache in Screenshots (zum Vergrößern Klicken):
Startpunkt war die Seite https://e-voting.oeh-wahl.gv.at/voting/, ich verwende Firefox 3.0.6 als Browser, ein Klasse 2 Chipkarten-Lesegerät und meine eCard, die ich mir vom BMWF freischalten ließ.

Dort wählte ich meine Uni, für die ich wahlberechtigt bin. Nun kam ich zur Auswahl der Bürgerkartenumgebung.

Her wähle ich die Online-BKU. Irgendein komisches Fenster lädt sich in das Browserfenster hinein.

Eine Warnung kommt! Wieso werde ich während der Wahl gewarnt?

Ich gehe mal auf „Ausführen“, auch wenn ich mir nicht recht sicher bin, was ich wohl gerade ausführe. Aha, es ist ein Java-Applet (das orange Ding da).

Ich denke, spätestens hier wäre ein nicht technophiler Durchschnittsbürger vom Verständnis her überfordert gewesen. Oder wissen Sie, was ein Java-Applet oder eine Bürgerkartenumgebung genau ist und könnten es Ihrer Oma erklären?
Endlich kommt die Aufforderung zur Pin-Eingabe.

Ich gebe meinen (richtigen!) Pin am Kartenlesegerät ein und erhalte eigenartigerweise folgende Fehlermeldung:

Wieso ist die Seite nicht mehr pink? Wo ist der Kontext? Wo bin ich hier gelandet und wie komme ich wieder zurück?
Verunsichert wie ich war, habe ich den Vorgang am ersten Schritt an einige Male wiederholt, aber es kam immer die gleiche Fehlermeldung, trotz Eingabe des richtigen Pins. Vielleicht kommt der Fehler, weil ich das sicherere Klasse 2 Lesegerät benutze und das E-Voting-System nur auf die weniger sicheren Klasse 1 Lesegeräte ausgelegt ist, die das BMWF verteilen ließ?
Ich nehme einmal an, dass das Problem an der Online-BKU liegt und starte die von mir bereits am PC installierte BKU „trustDesk basic“.

Nebenbei bemerkt: Was ist ein Widerrufsdämon (ganz untem am letzten oberen Screenshot)?
Nachdem die BKU-Software gestartet ist, ich nochmal von Anfang an eingestiegen bin (erster Screenshot) und beim zweiten Schritt die „lokale BKU“ gewählt habe, werde ich weitergeleitet.

Wieder verlasse ich den Kontext. Wieder werde ich auf eine Seite geleitet, die nicht pink ist und kein Logo oder irgendwas enthält, das eine Zuordnung zur vorhergehenden Seite vermuten lässt. Bin ich noch richtig?

Nun kommt wieder eine Warnung und da weiß ich sofort, dass ich richtig bin. Vertrauenerweckend ist dieser Vorgang doch wirklich nicht. Ich klicke wieder auf „Ausführen“, immerhin mag ich ja auch mal zum Abstimmen kommen.
Endlich kommt die Aufforderung zur Karten-Pin-Eingabe:

Dann muss ich meine „Anmeldedaten signieren“. Wieso muss ich nochmal den Pin eingeben? Bei anderen Webapplikationen muss ich mich doch auch nur einmal einloggen.

Und schon taucht der Stimmzettel auf! War doch gar nicht so schlimm.

Interessanterweise kann ich hier auch entscheiden, meine Stimme doch per Papierwahl später abzugeben. Auf der nächsten Seite …

… kann ich meine Stimme für ein „Wahlorgan“ abgeben. Ich kreuze hier ebenfalls an, dass ich meine Stimme nicht per E-Voting abgeben möchte und drücke auf „Abschicken“. Danach kommt ein eigenartiger leerer Stimmzettel, obwohl ich doch gesagt habe, dass ich nichts per E-Voting abgeben möchte. Interessant.

Also drücke ich auf „Bestätigen und Stimme abgeben“. Es kommt eine Fehlermeldung:

Naja, also hab ich nichts abgegeben, weil nichts da war, das man abgeben konnte.
Aber man kann ja seine Meinung noch ändern, oder? Ich gehe über „Zurück zur Universitätsauswahl“ zurück und gehe alle Schritte wieder durch, treffe dieses Mal auch eine Wahl:

Ausnahmsweise habe ich ungültig gewählt, sehe mir die Zusammenfassung an, überdenke aber meine Auswahl und will über „Neu starten“ irgendetwas neu starten. Es kommt ein Dialog:

… und ich klicke auf „Ja“, aber es tut sich nichts! Ich bleibe auf dem Screen hängen. Schon wieder ein Fehler!
Also gehe ich auf „Abbrechen“, was mich auch zurück aus diesem Albtraum bringt.
Die Fehler meldete ich der Wahlkommission der TU Wien, die mich schon von der Wahlberechtigungsprüfung kennt.
Ich hoffe nur, dass ich nun nicht als E-Voter registriert bin!
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Ich habe meine Stimme nicht elektronisch abgegeben. Ich möchte das nämlich bei der Papierwahl tun!
Ungeheuerlich, wenn man sich dieses Szenario für Nationalratswahlen vorstellt!
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