ÖH-Wahlen: E-Voting-Dokument bei Wikileaks

Bei Wikileaks ist ein Dokument aufgetaucht, das die Benutzung jenen E-Voting-Systems erklärt, das im Mai bei den ÖH-Wahlen eingesetzt wird. Das Dokument „Leitfaden für das Wahladministrations-System“ stammt vom 27. Februar 2009, umfasst 67 Seiten (inklusive Abbildungen) und ist im Wesentlichen in zwei Teile gegliedert.

Im ersten Teil geht es um die Dokumentation für die Wahlunterkommissionen. Interessant hier ist zum Einen, dass es sich augenscheinlich um ein gemischtsprachiges (Deutsch und Englisch) Interface handelt. Warum es kein einheitliches, idealerweise deutschsprachiges Interface gibt, wird nicht erklärt. Andererseits ist auch eine Funktion vorgesehen, mit der man Daten von einzelnen Studierenden löschen kann („clear lower part of screen“).
Dass Löschfunktionen selbst ohne böswillige Absichten heikel sind, konnte man vor kurzem erst in den USA sehen.

Der zweite Teil Dokumentation für die Vorsitzenden der Wahlkommission bei den Hochschülerinnen- und Hochschülerschaften an den Universitäten beschreibt die Initialisierung, wie die Wahlen vorbereitet, durchgeführt und die Stimmen ausgezählt werden. Wobei hier bereits vorgesehen ist, auch die Papierwahl gleich mit in das System zu integrieren. Die abschließende Auszählung soll gänzlich elektronisch passieren.

Bei Urgenz fasst man das folgendermaßen zusammen:

Dieser Einblick, der nur die „Schnittstelle” zwischen Mensch und Maschine zeigt, macht eines sehr deutlich: e-Voting verfolgt nicht das Ziel bloß eine ergänzende Wahlmöglichkeit zu sein. Die Anzahl der Vorgänge, die die digitale Plattform bereits jetzt kontrolliert zeigt, dass sie sich zum allumfassenden Wahlprozess entwickeln will.

Update: 16.04.2009
Robert Krimmer hat sich nun auch gegenüber der APA dazu geäußert. Nachlesen kann man das unter anderem im Standard:

Krimmer spricht gegenüber der APA von „Analysen, die jemand zieht, der sich damit nicht auskennt“. So sei etwa die Funktion „clear lower part of screen“ nicht viel anderes, „als ein neues Browser-Fenster zu öffnen“. Das digitale Wählerverzeichnis habe es schon bisher an manchen Unis gegeben und es könne jederzeit durch Papier ersetzt werden.

Durch die Veröffentlichung des Handbuchs sieht er das E-Voting keineswegs bedroht, wie auf der Seite angedeutet wird. „Es war nicht ‚vertraulich‘ in diesem Sinn. Es war nur als Information gedacht, wie das E-Voting-System funktioniert.“

Links:
Wikileaks: „Austrian University E-voting draft, 27 Feb 2009
Dokument: „Leitfaden für das Wahladministrations-System“ (.pdf)
Zusammenfassung: bei Urgenz

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4 Antworten zu ÖH-Wahlen: E-Voting-Dokument bei Wikileaks

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  2. kerl schreibt:

    E-voting ist einfach und beqem von zu Hause aus zu erledigen.
    Wg. der Sicherheit braucht sich keiner Gedanken machen.
    Man legt eine Digitale Signatur ab.

    • marc schreibt:

      Eine Grundproblematik beim E-Voting ist doch, dass man sich auf wenige Experten verlassen muss, die das System mehr oder weniger gut kennen / zu kennen glauben.

      Selbst wenn das System offen (im Sinne von offener Quellcode) wäre, könnten das auch nur Experten überprüfen – was nicht den Wahlgrundsätzen genügt.

      Da hilft auch eine digitale Signatur nicht.

  3. abc schreibt:

    @Kerl:
    Kann idr nur zustimmen. Halte e-voting grundsätzlich auch für fähig!

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