Über den Tellerrand

In unseren Breiten betrachtet man das Für und Wider des Einsatzes von Wahlcomputern meist unter Bedingungen, die eine nahezu perfekte Organisation und Gewaltfreiheit beim Wahlablauf sowie einigermaßen kompetente Prüfbehörden und Hersteller annehmen oder übermäßige Korruption von vorneherein ausschließen. Die Möglichkeit bezahlter Hacks solcher Systeme wird zumeist mit dem Hinweis abgetan, dass dies doch höchst unwahrscheinlich sei. Auch Innentäterangriffe werden in gestandenen Demokratien nur selten als ernsthafte Bedrohung gegen computerisierte Wahlen betrachtet. Dass die Computer gar falsch addieren, kommt kaum jemandem in den Sinn. Wie sieht es aber in anderen Staaten aus?

Carlos H. Conde gibt in der New York Times interessante Einblicke zu den diesjährigen Wahlen mit optischen Scan-Computern in den Philippinen, dem ersten Land, das von ausschließlich durchgeführten Papierwahlen zu vollständig computerisierten Wahlen ohne manuelles Nachzählen wechselt:

But such is the history of tainted elections here that many fear computerization may just provide even greater opportunities for disenfranchising voters. […] the road to automation has not been smooth. Questions were raised regarding the ability of the contractor, Smartmatic-TIM, to set up the system. In several tests conducted over the past few months, many of the P.C.O.S. machines malfunctioned and had problems relaying results — via mobile phone networks — to the main data center. [1]

Das verwendete System Smartmatic krankt an den üblichen Problemen: Es wird von Herstellern und der Regierung als Black Box eingesetzt, nur intern administriert und kontrolliert, ohne Transparenz. Insofern unterscheidet es sich kaum von den Systemen, die in unseren Breiten so angeboten werden.

[1] The New York Times: New Voting Machines Stoke Filipinos’ Fears, 13. April 2010.
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