Bundesminister Hahn will bei den kommenden ÖH Wahlen die Studierenden als Versuchskaninchen für E-Voting missbrauchen. Zusätzlichen zur Stimmabgabe in der Wahlkabine soll also auch das Wählen im Internet ermöglicht werden. Das sogenannte E-Voting schränkt die BürgerInnenrechte auf freies und geheimes Wahlrecht aber in unzumutbarer Weise ein.
So können die meisten trotz aktuellem Virenscanner wahrscheinlich nie sicherstellen, dass sich nicht gerade Viren oder sogenannte Spyware auf ihrem Computer befinden welche die Stimmabgabe überwachen oder sogar verändern könnten. Sollte die Stimme den Computer ordnungsgemäß verlassen haben kann niemand feststellen ob die Stimme unverändert am Empfangsort im Bundesrechenzentrum angekommen ist und auch richtig gezählt wurde. Ebenso begrenzt sind die Möglichkeiten der WahlbeobachterInnen bei E-Voting. Ein Computersytem das Stimmen übers Internet sammeln soll ist so komplex und die Manipulationsmöglichkeiten so vielschichtig, dass eine vollständige Kontrolle nicht mehr möglich ist.
Aus diesen und wahrscheinlich einigen anderen Gründen gibt es bereits breite Kritik an den Internetwahlen. VfGH Präsident Holzinger spricht sich gegen E-Voting aus, die Vorsitzende der Wahlkommission an der Uni Wien Gerda Marx ist deshalb zurück getreten, der Datenschutzrat der Bundesregierung hat E-Voting einstimmig abgelehnt, der oberste finnische Gerichtshof hat ein E-Voting Ergebnis wieder aufgehoben, etc;
Trotz all dieser Kritik will Minister Hahn seinen Plan gegen den Willen der Betroffenen erzwingen. Lass dir deine BürgerInnenrechte nicht nehmen und mach dein Keuz lieber im Wahllokal: Jetzt erst Recht ÖH Wahlen 26. – 28. Mai 2009!
Auf der neuen Seite werden eine Reihe von Dokumentationen über elektronische Wahlen vor- und zahlreiche Links zu Radiobeiträgen bereitgestellt, wie zum Beispiel die Dokumentationen Invisible Ballots und Hacking Democracy:
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“Das Gebiet der Human Factors, also der menschlichen Aspekte und Faktoren bei Wahlmaschinen ist ein sehr weit reichendes und geht von der Akzeptanz des Systems, über Benutzerinterfaces, bis hin zum Einfluss jedes einzelnen Individuums in jeder Phase der Erstellung, des Einsatzes und der Wartung eines E-Voting-Systems.” – aus der “Bibel” ;)
Video the Vote ist ein “Netzwerk von US Journalisten, unabhängigen Filmemachern und Medien-Experten, die zusammen arbeiten um Wähler-Unterdrückung und Aberkennung der Bürgerrechte bei Wahlen zu dokumentieren”. Bei der Initiative geht es nicht rein um Wahlcomputer, sondern auch um andere Arten von Unregelmäßigkeiten wie Wahlkreismanipulationen. Etwa werden durch lange Warteschlangen vor der Wahlkabine Arbeiter dazu gezwungen, die Schlange früher zu verlassen, ohne ihre Stimme abzugeben, da sie einfach wieder wochentags zur Arbeit zurück müssen. Aviel Rubin, E-Voting-Experte von der Johns Hopkins Uni und Autor des hervorragenden Buches “brave new ballot” beschreibt das Problem der langen Warteschlangen vor DRE (driect recording electronic voting machines) ebenfalls.
Hier ein Video von video the vote, das zeigt, wie eine falsche Kalibrierung des Touchscreen-Displays zu einer anderen Wahlentscheidung des Wählers führt (man will Kandidat A wählen, der Computer stimmt aber für Kandidat B):
Im Zusammenhang mit Usability und Ergonomie der Wahlcomputer gibt es aktuell auch das “Wahlmaschinenfiasko in Finnland“, wo in drei finnischen Gemeinden Wahlcomputer getestet wurden. Die Bediehnbarkeit der Geräte war allerdings so schlecht, dass viele ihre Stimme abgaben, aber vergaßen mit “OK” nochmals zu bestätigen, womit die Stimme nicht gezählt wurde. So gingen etwa 2% der Stimmen für immer verloren. Der finnische Abkömmling der EFF, die Electronic Frontier Finland (EFFI), hatte bereits im Vorfeld auf die Mängel hingewiesen, die in einem Bericht beschrieben werden.
einige aktuelle, kritische berichte zum thema e-voting
aufruf gegen eine schleichende einführung von internetwahlen
hier warnen eine reihe namhafter US e-voting experten und wissenschaftler vor “der schleichenden Einführung von Internet-Wahlsystemen in ‘Pilotprojekten’”:
Als “Herausforderungen” nennen die Unterzeichner explizit das Problem der verifizierbaren Korrektheit [..] sowie die Entwicklung hinreichend starker Schutzmechanismen gegen Stimmenmanipulationen durch Insider. Darüber hinaus führen sie die Schwierigkeit an, die Ergebnisse zuverlässig anhand unveränderbarer und vom Wähler bestätigter Belege ebenso wirksam wie mit traditionellen Papierstimmzetteln und unter Wahrung des Wahlgeheimnisses nachprüfen zu können. “Eine solche Überprüfbarkeit herzustellen – papierlos und mit einem geheimen Stimmzettel, der über das Internet übertragen wird – ist ein ungelöstes Problem“.
wie slashdot berichtet, kam es wieder zu einem hack von wahlmaschinen. dieses mal nicht diebold, sondern wurden sequoia-wahlmaschinen von einer universitären arbeitsgruppe aus den usa gehackt. der hack zeigt auch, wie leicht es nicht ist, durch eine manipulation der software – trotz verwendung von papierbelegen, sogenannten paper audit trails, das stimmergebnis zu verändern. hier die videos, in zwei teilen:
"Ich war am INSO Sommer-Fest, und der erste, der mir über den Weg rennt, ist der Krimmer". -- ein auf diesem Fest eingeladener(Anmerkung: Der Herr Grechenig, "Berater fuer das Ministerium" ist vom INSO)[Reposted from tubasis]