Aktuelle E-Voting News

September 19, 2010

Die letzten Tage gab es wieder ein paar Meldungen rund um E-Voting und im Speziellen auch zu Wahlcomputern. Das soll an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben. Deshalb kurz zusammengefasst die Artikel:

Report: Voting Machine Errors Highlight Urgent Need for U.S. Database

The report, released Wednesday by the Brennan Center for Justice, calls on Congress to provide authority for the federal Election Assistance Commission, or EAC, or some other federal agency to establish and maintain a publicly searchable database and to require voting machine vendors to report problems to the database so election officials can take steps to prevent failures from repeating.

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SHELBY: 3,221 PHANTOM VOTES FOUND; SAME LOCATIONS HAD UPLOADS DAY BEFORE ELECTION

Consultants examining the Aug. 5 Shelby County election found 3,221 more votes than voters on documents provided by Shelby County elections officials pursuant to a court order.

[via fefe]

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Uddhav: Arrests in EVM theft case raise suspicions

The Mumbai police had recently arrested Mukund Lagoo, a 48-year-old civil engineer and social activist from Pune in the EVM theft case. The first arrest was of Hyderabad based technocrat Hari Prasad, the technical co-coordinator of VeTA (Citizens for verifiability, Transparency and Accountability in Elections). Prasad was arrested on August 21.

[via 46halbe]

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Elektronische Stimmabgabe im Test

Wir testen den E-Voting-Versuch für stimmberechtigte Auslandschweizer der Stadt Zürich.

Am 26. September 2010 stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über die Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes ab. Als Auslandschweizer darf ich (in einem Versuch) mitabstimmen, in meinem Fall in der Stadt Zürich.

[Danke für den Hinweis Daniel via Mail]


E-Voting in Brasilien

September 5, 2010

Zum Sonntag Abend mal ein kleines Propagandafilmchen vom brasilianischen Superior Electoral Court:
brasilian_voting
[Video: .wmv | 07:45 Min.]


Hari Prasad aus der Haft entlassen

August 29, 2010

Wie Rop Gonggrijp berichtet, ist der indische Wahlcomputer-Forscher, der nach dem Wahlcomputer-Hack aus absurden Gründen verhaftet worden war, seit gestern wieder auf freiem Fuß.

Detaillierte Informationen zu den indischen Wahlcomputern sind in einer aufgezeichneten Podiumsdiskussion (mp3) zu erfahren, die Anfang August beim Electronic Voting Technology Workshop aufgezeichnet wurde. Teilnehmer sind Prof. Pavagada Venkata Indiresan, Vorsitzender des Experten-Komitees der Election Commission of India (ECI), Narasimha Rao (VeTA1), Dr. Alok Shukla (ECI) und Prof. J. Alex Halderman von der University of Michigan. Zumindest eine Debatte ist nach dem Hack und den zunächst verhaltenen Reaktionen zustandegekommen.

Rop kommentiert:

We’ll have to see what public opinion in India does over the next months, but I have hopes that this dramatic overreach by the government will be part of the cause the current EVMs [Electronic Voting Machines] to be ditched. [1]

Einschüchterungsversuche können leicht nach hinten losgehen.

[1] Siehe Hari is out of jail!

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Reaktionen auf Wahlcomputer-Hack in Indien

Mai 21, 2010

Wir hatten hier bereits den Hack der indischen Wahlcomputer gemeldet, aber die Reaktion darauf soll nun auch Erwähnung finden: Die BBC veröffentlicht einige Kommentare der indischen Wahlkommission. Die Argumente sind die bekannten, dass nämlich die Benutzung der 1,4 Millionen Wahlcomputer nur in geschützten Umgebungen erfolgt. Innentäter-Szenarien werden dabei ausgeblendet. Alok Shukla von der Indian Election Commission versichert:

It is not just the machine, but the overall administrative safeguards which we use that make it absolutely impossible for anybody to open the machine. [1]

Natürlich werden auch wieder die Siegel erwähnt, die Sicherheit garantieren würden. Wie sich die Reaktionen gleichen..

[1] US scientists ‘hack’ India electronic voting machines, Julian Siddle, BBC, 18. Mai 2010.

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Sequoia Wahlcomputer gehackt

August 15, 2009

„Es gibt keinen Wahlcomputer-Hersteller, dessen Geräte nicht gehackt worden wären“
- Constanze Kurz

Ein weiteres Beispiel dazu wurde diese Woche publiziert.

Forscher in den USA haben vor kurzem erfolgreich den Wahlcomputer AVC Advantage der Firma Sequoia gehackt und die Ergebnisse dazu jetzt veröffentlicht. Bemerkenswert daran ist, dass dieses Modell bereits einen eingebauten Schutz gegen Code Injection Angriffe hat. Um das Gerät dennoch manipulieren zu können, hat man sich der relativ neuen Methode des return-oriented programming bedient. Dabei werden quasi Programme gegen sich selbst verwendet.

[Es] werden Teile des normalen Programmcodes der Maschine genutzt, die sich als geeignet für einen Missbrauch im Sinne des Angreifers erweisen. Um das Wahlgerät zu manipulieren, werden entsprechend zusammengestellte Blöcke des eigentlich maschineneigenen Codes eingeschleust. Wie das Team experimentell zeigen konnte, reichen wenige Minuten Zugriff auf den Wahlcomputer in der Nacht vor dessen Einsatz aus, um das Gerät so zu präparieren, dass es am Wahltag unbemerkt die Abstimmung manipulieren kann. Wird das Gerät danach normal ausgeschaltet, verwischt das die Spuren des Hacks. Eventuell ist der Angriff sogar praxisrelevant, da in den US-Bundesstaaten New Jersey und Louisiana Modelle im Einsatz sind, die dem im Experiment gehackten Gerät ähnlich sind.
[pressetext.com]

Beteiligt daran waren Forscher der University of California in San Diego, University of Michigan und der Princeton University.

Die folgenden 2 Videos erläutern den ganzen Hergang und die Durchführung nochmal etwas genauer:

Interview mit Hovav Shacham

[Direktlink]

Durchführung des Angriffs

[Direktlink]

[via wahlrecht]

weitere Links:
mehr infos University of California
Full Research Paper (.pdf)
Artikel bei golem
Artikel bei The Register


Wahlcomputer: TEMPEST-Demo vom CCC auf der HAR2009 (Update)

August 15, 2009

Auf der gerade laufenden Hacking at Random in Holland, demonstrierte der CCC die TEMPEST-Sicherheit von Nedap-Wahlcomputern. TEMPEST steht für Temporary Emanation and Spurious Transmission und bezeichnet die elektromagnetische Abstrahlung von elektrischen Geräten.

Die Demonstration erfolgte allerdings an einem niederländischen Wahlcomputer, wobei die Messwerte eines deutschen Gerätes über den Beamer präsentiert wurden.
[...] Auch Wahlcomputer senden elektromagnetische Strahlen aus, die mit einer entsprechenden Antenne noch aus einigen Metern Entfernung gemessen werden können. Live demonstrierte dies der CCC-Techniker Bogk mit einem Scanner, der die Signale akustisch aufnahm. Eine Erklärung, wie man nach den Erkenntnissen des Physikers van Eck eine solche Strahlung messen und interpretieren kann, bildeten den zweiten Teil des Referats, bei dem anschließend Messergebnisse eines deutschen Geräts „von der Folie“ kamen – eine deutsche Nedap-Maschine, die der CCC zuvor analysiert hatte, durfte den Angaben zufolge nicht zum Hackertest reisen. Der CCC will jedoch ein Video nachliefern, das zur Messung gedreht wurde.

Obwohl die Abstrahlungsproblematik bei Wahlcomputern nicht neu ist, wurde damit wieder mal ein weiteres Sicherheitsrisiko bei Wahlcomputern öffentlich vorgeführt.

Zu dem Thema TEMPEST gab es vor kurzem auch eine Chaosradio-Sendung, die hier nachgehört werden kann. Dabei ging es eher allgemein um die elektromagnetische Abstrahlung von elektrischen Geräten und wie dies für bestimmte Zwecke ausgenutzt werden kann.

[via heise]

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Update:
Mittlerweile sind auch Mitschnitte von der Präsentation online. Zum Beispiel

hier
* TEMPEST for the casual election hacker
[Direktlink: Tag2-Room1-Slot16:00--ID114-tempest-Main-2009-08-14T16:00:04+0200.wmv / 377MB]

oder hier
* TEMPEST for the casual election hacker
[Direktlink: r1-filer.20090814-160534.ogg / 238MB]

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weitere Links:
WP: Van-Eck-Phreaking
Chaosradio 148: Wiki zur Sendung
Wahlcomputer-Gutachten des CCC für das Bundesverfassungsgericht (.pdf)


D: Workshop des CAST-Forums

Mai 15, 2009

Etwa 50 Fachleute tauschten sich beim CAST-Workshop in Darmstadt zum Thema „Elektronische Wahlen“ aus und berieten sich über die Auswirkungen des Karlsruher Wahlcomputer-Urteils.

Auf die weitere Entwicklung in Österreich werde der Karlsruher Spruch keine Auswirkungen haben, „weil die Rechtslage bei uns eine andere ist“, betonte der stellvertretende Bundeswahlleiter Gregor Wenda. [..] Denn anders als in Deutschland gibt es im Nachbarland kein Öffentlichkeitsprinzip im Sinne eines Jedermannsrechts, der Stimmabgabe und -auszählung beiwohnen zu können;

Zum Thema Sourcecode-Review, die in Österreich nur eine Alibi-Aktion war, meldeten sich ebenfalls andere zu Wort:

Gerald Krummeck, Leiter der Prüfstelle der atsec information security, [..] wünscht sich, dass solche Systeme, wenn sie eingesetzt werden, öffentlich sind. „Closed Source schützt nicht nur Intellectual Property, sondern auch schlechte Programmierung“.

Ein ausführlicher Bericht ist auf heise.de zu finden.

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Übrigens gibt es am Sonntag Abend eine Radiosendung auf Ö1 zum Thema „Pro und kontra E-Voting bei der ÖH-Wahl“ im Ö1-Netzkulturmagazin „matrix“ um 22.30 Uhr.


Irland entsorgt Nedap-Wahlcomputer

April 24, 2009

Einspruchsführer in Deutschland Ulrich Wiesner berichtet:

Nach Angaben des für die Wahlcomputer zuständigen Ministeriums für Umwelt, Denkmalschutz und kommunale Angelegenheiten werden die im Jahre 2003 angeschafften Wahlgeräte nicht länger gelagert und nun entsorgt. Die Republik Irland hatte die Maschinen für das gesamte Land angeschafft, dann aber nie verwendet. Nach öffentlicher Kritik an der mangelnden Transparenz und Überprüfbarkeit elektronischer Wahlen hatte die Regierung eine Kommission für Elektronische Wahlen eingesetzt, die sich schließlich gegen den Einsatz der Geräte aussprach. Die irischen Wahlcomputer sind mit den auch in den Niederlanden und Deutschland nicht mehr eingesetzten Geräten weitgehend baugleich.

Irland ist nach Deutschland und Finnland dieses Jahr nun ein weiteres europäisches Land, das sich gegen E-Voting entscheidet.

Nachtrag: Auch in der Futurezone


Internationales: Russen wählen per Handy 2011, Indien im Frühling per Wahlcomputer

April 16, 2009

Russen können über eine Java-Applikation ihr Parlament ab 2011 per Handy (das sogenannte „m-voting“, also „mobile voting“) wählen (derStandard berichtet):

Um an der Wahl per Handy teilzunehmen, muss der Wahlberechtigte eine Telefonnummer bekannt geben. Am Wahltag wird ihm ein spezielles Java-Programm auf das Telefon zugesandt. Diese Software ermöglicht es dem Wähler, seine Stimme abzugeben. [..] Die Technologie sei zwar einfach, jedoch nicht vergleichbar mit jenen Abstimmungsmethoden, die beispielsweise beim Eurovisions-Songcontest zum Einsatz komme, stellt der Chef der Wahlkommission klar.

In Indien hingegen wird hingegen vom 16. 4. bis zum 13. 5. mittels Wahlcomputer abgestimmt werden (ulrichwiesner.de berichtet):

Seit 1998 setzt die Indische Wahlkommission Wahlcomputer ein, die sie gemeinsam mit zwei staatseigenene Unternehmen entwickelt hat. Bei den letzten Unterhauswahlen im Jahre 2004 kamen etwa eine Million der rund 300 US$ teuren, batteriebetriebenen DRE-Geräte zum Einsatz

Ein DRE-Gerät ist ein direct-recording electronic (DRE) E-Voting-System, das die Stimme direkt am Gerät aufzeichnet, z.B. Touchscreen-Wahlmaschinen. Der Begriff kommt aus den USA, wo es eine Reihe von Problemen mit diesen Geräten gab, im deutschsprachigen Raum verwenden wir den Ausdruck „Wahlcomputer“.


Schwerpunktheft der DuD zu elektronischen Wahlen

April 14, 2009

Die Zeitschrift DuD (Datenschutz und Datensicherheit) hat in ihrer Ausgabe 2/2009 den Schwerpunkt „Elektronische Wahlen“ mit acht Beiträgen zum Thema. Leider gibt es keine elektronische Version, allerdings kann man das Einzelheft bei Vieweg bestellen.

Neben dem Editorial des Mitherausgebers Dirk Fox finden sich dort Beiträge von Peter Wilm zu technischen Anforderungen an staatliche Internetwahlen sowie von Rüdiger Grimm et al. über Erfahrungen mit Online-Wahlen für Vereinsgremien.

Die Sicherheitsanalyse der Nedap-Wahlcomputer ist auch im Heft enthalten, dazu ein launiger Artikel von Dieter Richter et al., dem verantwortlichen Zertifizierer der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Deutschland, dessen Arbeit kürzlich seitens des Bundesverfassungsgerichts kritisch „gewürdigt“ wurde.

Auch nach dem wegweisenden Urteil des Gerichts ist die neue Situation in Sachen Wahlcomputer offenbar noch nicht so ganz in den Köpfen und Herzen der PTB-Mitarbeiter angekommen. Nach einer Litanei an diesmal etwas vorsichtiger vorgetragenen Argumenten, warum Wahlcomputer gar nicht so unsicher und manipulationsanfällig seien, wie Kritiker behaupten, heißt es im Artikel dann über die Prüfung der Computer durch die PTB:

Bisher sind die Prüfungen so gründlich durchgeführt worden, dass seit dem Ersteinsatz der Nedap-Wahlgeräte im Jahre 1999 keine Fehler oder Zustände bekannt geworden sind, die den Bestimmungen der Bundeswahlgeräteverordnung entgegenstehen. [1]

Und da fragt man sich wie immer bei Black-Box-Systemen: Woher wissen die Autoren das?
Gut, dass wir diese Black Boxes in Deutschland los sind! :}

[1] Heike Schrepf, Norbert Greif, Dieter Richter: Wahlgeräte in Deutschland, DuD 2/2009, S. 89.

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