USA: Honolulu setzt E-Voting ein

Mai 15, 2009

Der Bezirk (City and County) Honolulu im US-Bundesstaat Hawaii setzte eine vollständig digitale Wahl, die Neighborhood Board-Wahl um. 115,000 Wähler können ihre Stimme online oder per Mobiltelefon vom 6. bis zum 22. Mai abgeben. Notebooks sind in Wahllokalen aufgestellt (sogenannte “Kioskwahlen”).

Mehr auf National Journal (via doncaramello)


All your votes are belong to us

April 20, 2009

Mit der 2003 gegründeten und in Texas beheimateten Lobbygruppe Election Technology Council (ETC) und deren Publikationen konnte man schon früher Spaß haben. Im ETC sind die Top Vier der Hersteller von elektronischen Wahlsystemen vereint: ES&S, Sequoia, Premier (ehemals Diebold) und Hart Intercivic. Vor ein paar Tagen nun ein neuer Reißer: Open Source – Understanding its Application in the Voting Industry.

Die ETC kommt darin zu dem Schluss, dass die Offenlegung des Sourcecodes ein Sicherheitsrisiko für eine computerisierte Wahl wäre. So weit, so wenig überraschend – allerdings wird in dem Papier durchgehend das Konzept von Open Source und offengelegtem Quellcode durcheinandergebracht.

Dan Wallach, der im Department of Computer Science der Rice Universität in Houston arbeitet und bekannt für seine Mitarbeit am Diebold-Report von Aviel Rubin ist, hat nun eine lesenswerte Analyse des ETC-Papiers vorgelegt. (Wer Mister Wallach auch mal hören möchte, kann ein Interview mit ihm zum Thema Wahlcomputer als mp3 klicken.)

Wallach schreibt zu Beginn zwar etwas resigniert:

Sometimes, working on voting seems like running on a treadmill. Old disagreements need to be argued again and again. [1]

Aber es lohnt sich durchaus, seine Argumentation und auch die teilweise anregenden Kommentare zu lesen.

[1] Freedom to Tinker.

ccc wahlcomputer-logo e-voting


Wahlcomputer: Manipulationen und Programmierfehler

März 23, 2009

Letzte Woche gab es gleich zwei größere Meldungen aus den USA zu der Unzuverlässigkeit und Unsicherheit von Wahlcomputern.

Die erste Meldung kommt von techdirt. Im US-Bundesstaat Kentucky kam es demnach zu Manipulationen:

The details suggest that there were two parts to the vote changing. First, there was traditional vote buying — where they paid people to vote in a certain way. However, the second involved actually changing voters’ votes on ES&S e-voting machines.

It didn’t involve any hacking or direct security flaws — but the elections officials made use of the confusing user interface and process of the e-voting machines to trick voters into leaving before their votes had been cast.

Man hat also die verwirrende Nutzeroberfläche der Wahlcomputer ausgenutzt, um die Wähler in dem Glauben zu lassen, sie hätten ihre Stimme bereits abgegeben.
[via netzpolitik] Auch auf heise.de “Erster dokumentierter Fall von E-Voting-Betrug

.

Die zweite Meldung dreht sich um den Fall Premier Elections Soultions (Diebold), wo fehlerhafte Audit-Longs bemängelt werden. Dazu fand vergangene Woche eine Anhörung statt, wie das Wired-Blog Threat Level berichtet:

Premier Election Solutions (formerly Diebold Election Systems) admitted in a state hearing Tuesday that the audit logs produced by its tabulation software miss significant events, including the act of someone deleting votes on election day.

The company acknowledged that the problem exists with every version of its tabulation software.

Ein Video von der Anhörung gibt es auch, inklusive ein paar kurzer Highlights, die in schriftlicher Form festgehalten wurden.


Diebold: Wahlsysteme mit ‘Clear Button’ und Stimmenverlusten

März 8, 2009

Wie Wired und Slashdot berichten, wurde ein Bericht veröffentlicht (.pdf), der untersucht, warum einige Wahlcomputer der Firma Premier Election Solutions (ehemals Diebold) letzten November in Humboldt County (Kalifornien/USA) Stimmen verloren haben.
In der damals eingesetzten Softwareversion gab es einen Fehler der Stimmen verschwinden ließ. Dieser Fehler war Premier Election Solutions seit spätestens Oktober 2004 bekannt:

The company, however, did not notify the Election Assistance Commission (EAC), the National Association of State Election Directors (NASED) or the California Secretary of State. Instead, the company sent a vague email to elections officials in the 11 California counties using GEMS version 1.18.19 with the Central Count Server at the time. [...] The email [...] advised the county officials to create and immediately delete an empty Deck before scanning any real ballots, but did not explain why this new procedure was necessary.

Der Bericht enthält aber auch noch ein weiteres interessantes Detail. So hat es bei einigen Softwareversionen einen ‘Clear Button’ zur Löschung des Audit Logs (Aufzeichnungen über systemkritische Vorgänge) im System gegeben:

The Clear buttons [...] allow inadvertent or malicious destruction of critical audit trail records in all Gems version 1.18.19 jurisdictions, risking the accuracy and integrity of elections conducted using this voting system. Five years after the company recognized the need to remove the Clear buttons from the GEMS audit log screens, not only [...] Counties in California but jurisdictions in other parts of the country [...] continue to use Gems version 1.18.19…

Die Schaltfläche zum Löschen ist zudem neben dem “Print” und “Save As” Button angeordnet, so dass es kürzlich in Kalifornien auch zu einem versehentlichen Löschen des Audit Logs kam. Premier Election Solutions hat in diesem Zusammenhang offensichtlich nicht daran gedacht, eine Warnung anzuzeigen, bevor die Löschung durchgeführt wird. In aktuellen Softwareversionen wurde zwar der ‘Clear Button’ wieder entfernt, doch ist es nicht angedacht, die betroffenen alten Versionen zu upgraden.

Adding a Clear button is easy, but there are too many reasons why doing that is a bad idea.


Picture: blog.wired.com

-> Humboldt Report to EAC (.pdf)

[via bendrath]


Wahlcomputer lassen Stimmen verschwinden

Dezember 14, 2008

Die Dayton Daily News berichtet, dass die in Montgomery County (Ohio/USA) eingesetzten Wahlcomputer abgegebene Stimmen nicht gezählt haben:

Earlier this year [1] Montgomery and Butler counties discovered during the March primary that some votes did not properly upload to tabulation servers, but the problem was noted as an error so it was caught during counting.

The difference with the latest problem is the five lost votes would not have been discovered had the special audit not been performed, Harsman said.

“There is currently no checks and balances in the system to ensure that this didn’t happen,” Harsman said.

He said the memory card contained the votes, but it wasn’t until it was put back into the original voting machine that is re-synced and the 5 missing votes appeared. There is no circumstance during a typical count where a memory card would be put back into the original voting machine, Harsman said.

Damit die fehlenden Stimmen also wieder sichtbar wurden, musste man die Speicherkarte erst nochmals in den Wahlcomputer stecken, was im Regelfall nach der Wahl natürlich nicht mehr passiert. Geschieht das nicht, sind die Stimmen quasi verschwunden und tauchen in der Datenbank, wo die Stimmen zusammengezählt werden, nicht auf.

Bei dem Gerät handelt es sich um ein Modell von Premier Election Solutons (ehemals Diebold), die schon in der Vergangenheit des öfteren negativ durch Fehlverhalten ihrer Geräte aufgefallen sind.
Erste Konsequenz ist, dass am Montag in Trotwood, wo das Problem auftrat, nochmal per Hand nachgezählt wird. Wahlcomputergegner fordern weitreichendere Maßnahmen:

“It validates the concerns people have expressed about these machines,” said Ellis Jacobs, senior attorney for Advocates for Basic Legal Equality. “If the machines aren’t reliable then they shouldn’t be used.”
[daytondailynews.com]

[via heise]



[1] heise.de: Ungezählte Stimmen: Wahlmaschinenhersteller gibt Fehler zu


US-Wahlen: Probleme finden wenig Beachtung

November 6, 2008

Eine erste Zusammenfassung zu den US-Wahlen gab es gerade schon. Ich möchte an dieser Stelle nochmal genauer auf die konkreten Probleme eingehen:

Während viele der “Mainstream Medien”, über den Sieg Obama’s berichten, ist die Berichterstattung über die aufgetretenen Probleme bei den eingesetzten Wahlsystemen, völlig unzureichend. Entweder wird überhaupt nicht berichtet oder die Sache wird heruntergespielt. So ist etwa in der Presse von “Kleinere technische Probleme bei der Stimmabgabe” die Rede. Ähnlich bei der BBC die mit “No major glitches on election day” titelt oder bei CNN “Voting machines cause few problems“. In dem Zusammenhang habe ich ein recht treffendes Statement auf Twitter gefunden, das dieses Verhalten der Medien kritisiert:

obama joy is pushing voter fraud stories way down if not completely out of the news. once again media betrays democracy.
[twitter.com/bicyclemark]

Es mag sein, dass sich die bekannt gewordenen Probleme wirklich nicht übermäßig auf das Ergebnis ausgewirkt haben. Ein äußerst bitterer Beigeschmack wird dennoch hinterlassen, denn:
1) kann niemand weitere Fehler oder gar Manipulationen ausschließen, die im Verborgenen bleiben (und dieses Restrisiko bleibt nun mal bei den derzeitig eingesetzten Systemen).
2) wären bei einer Wahl mit Papier und Stift der Großteil der Probleme nicht aufgetreten. Was nicht für die Benutzbarkeit der eingesetzten Technik spricht.

Jetzt aber genauer zu den Problemen. So berichtet etwa die taz folgendes:

Wie sich bereits bei Frühwahlen gezeigt hatte, sorgte die moderne Technik, die eigentlich das archaische papierbasierte US-Stimmsystem in die Neuzeit führen sollte, an vielen Orten im Land für Ärger.
[...]
In Maryland, wo sogar das Parlament 2007 beschlossen hatte, wieder zu den guten alten Stimmzetteln zurückzukehren, wird nur deshalb auch diesmal mit Computern gewählt, weil sich der Prozess bürokratisch nicht mehr stoppen ließ.

Untersuchungen und wissenschaftliche Studien zur Zuverlässigkeit der Geräte laufen in vielen Bundesstaaten. In Kalifornien kamen Sicherheitsforscher der University of California klipp und klar zu dem Schluss, dass Manipulationen an Wahlcomputern möglich seien.
[...]
Manchmal funktionieren die Geräte aber auch einfach überhaupt nicht. In Virginia meldeten gestern Dutzende Wahlbezirke Maschinen, die sich nicht in Gang setzen ließen. Das verlängerte die sowieso schon langen Schlangen weiter. Die meisten Wahlleiter waren zudem nicht bereit, dann einfach auf Papierstimmzettel umzusatteln – erst wenn alle Geräte in einem Wahllokal versagen, wurde dies zähneknirschend möglich gemacht, berichteten Betroffene im Internet.

Ähnliches lässt sich auch beim Spiegel finden:

In den Ostküsten-Staaten wie Virginia, Maryland und New York bildeten sich schon vor Morgengrauen lange Schlangen. In New York erklärte eine Sprecherin der Wahlkommission, die Menschen hätten sich in einigen Wahlkreisen schon gegen 4 Uhr am Morgen angestellt, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Nicht nur die Wähler hatten Grund sich zu beklagen, auch Wahlbeobachter wurden bei ihrer Tätigkeit behindert:

Ein Team von europäischen Wahlbeobachtern kritisierte, dass es bei seiner Arbeit zu den US-Wahlen behindert wird. [...] Überrascht erfuhren die Beobachter, dass sie nur ein einziges, von den US- Behörden ausgesuchtes Wahllokal besuchen durften.

“Wir alle halten das für ein inakzeptables Vorgehen”, erklärte Meinhardt. “Einer Wahlbeobachterdelegation darf nicht vorgeschrieben werden, welche Wahllokale sie zu besuchen hat, geschweige denn, welche sie nicht besuchen darf.” Gerade in Florida, dem Staat, in dem es bei den US-Wahlen im Jahr 2000 zu Unklarheiten gekommen war, hätte habe man sich ein höheres Maß an Sensibilität gewünscht.

Die Kritik sollte durchaus ernst genommen werden und eine größere Verbreitung finden.  Aber auch zu einem Umdenken, zumindest zu einem Problembewusstsein, führen. Bei vergangenen US-Wahlen hat sich immerhin gezeigt, dass auch relativ wenige Stimmen entscheidend sein können.
Desweiteren kann es nicht Sinn in einer Demokratie sein, das grundlegendste Recht des Bürgers, das Wahlrecht – von einem transparenten und sicheren Ablauf (Papierwahl) – in ein intransparentes und nicht den bisherigen Sicherheitsanforderungen gerecht werdendes System zu pressen.

John Hodgman fasst in der Daily Show die ganzen Bedenken auf äußerst humoristische Weise zusammen. Der Ausschnitt stammt zwar aus 2006, an der grundsätzlichen Kritik hat sich jedoch nichts geändert:

[direktlink]


Weitere Probleme mit Wahlcomputern in den USA

November 6, 2008

Lange Schlangen vor den Wahllokalen, ausfallende Wahlmaschinen und überforderte, schlecht eingeschulte Mitarbeiter der Wahlkommission waren die häufigsten Probleme, über die amerikanische Wähler und Wählerinnen klagten.

Wie bereits berichtet, war die falsche Ausrichtung der Touchscreens bei DRE (Direct Recording Electronic) Wahlmaschinen ebenfalls ein großes Problem:

Dan Wallach, Computerwissenschaftler an der Rice University, sieht [..] besonders viele Fehlerquellen: “Da kann so viel schief gehen, dass es schon erstaunlich ist.” Um die Geräte einzustellen, müssten bis zu 20 Punkte auf dem Bildschirm angeklickt werden, um eine Deckungsgleichheit zu erzielen. Diese Feinfühligkeit sei eine enorm große Fehlerquelle [taz.de].

Kim Zetter von Wired-Magazine schreibt in diesem Zusammenhang ihn ihrem “Threat Level” Blog, dass, während ES&S Touchscreen Wahlmaschinen in West Virginia die Stimmen der Wähler änderten (sog. “vote flipping”), in West Virginia die Ministerin einem ES&S Vicepräsidenten den “Medallion Award” verliehen hat.

Über eine versuchte Wahlkreismanipulation durch Ausschluss einer bestimmten Wählergruppe wegen falscher Informationen über das Wahltags-Datum (der Wahltag sollte verschoben worden sein) wurde ebenfalls berichtet.

John Gideon von VotersUnite.org hat auf Brad Friedmans Blog eine Liste mit weiteren aktuellen Berichten über Wahlmaschinen in den USA gesammelt.

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Im Vorfeld der Wahlen gab es bereits Probleme. Unglücklicherweise – für papierwahl.at – ist das Endergebnis der Präsidentschaftswahlen nicht besonders knapp ausgefallen, denn dann hätte es sicher einen lauteren Ruf nach Untersuchung der Geräte und Nachzählungen gegeben. Die Skepsis gegenüber den neuen Wahltechnologien bleibt bestehen (z.b. Angst vor der Wahlmaschine, Showdown für die Wahlmaschine), weitere Meldungen werden wahrscheinlich auch noch folgen, aber aie von manchen erwartete große Katastrophe ist ausgeblieben.

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Eine für Techniker eher amüsante Klage hat sich vor kurzem degen den Wahlmaschinenhersteller Diebold ergeben: Wahlmaschinen sollen Urheberrecht verletzen, wegen dem Einsatz der opensource Ghostscript PDF Processing Software.

Diebold soll demnach keine kommerzielle Lizenz für Ghostscript besitzen, sich aber auch nicht an die Bedingungen der GPL halten. [golem.de]

Eine GPL Lizenz ist zwar frei, aber eben nicht gratis.

USA-ELECTION/

[Bild Quelle: spiegel.de]


Erste Unregelmäßigkeiten bei den US-Wahlen

November 4, 2008

Um 20:00 CET (14:00 US West Coast Time) sind bereits 58.000 Beschwerdeanrufe bei CNN wegen der Unregelmäßigkeiten und Pannen bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen eingegangen (Quelle: ZIB 20). Lange Schlangen sind meist der Grund, oder auch Probleme mit den dort eingesetzten Wahlcomputern.

So mussten die Wähler in einigen Wahlkreisen in New Jersey am Dienstag auf Wahlzettel aus Papier ausweichen, weil die Wahlcomputer nicht funktionierten. [..] Aus mehreren Bezirken um die Hauptstadt von Virginia, Richmond, wurden Probleme mit Wahlmaschinen und Computern gemeldet.

Dort [im Staat Virginia] lehnte es ein Richter [..] ab, in mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Stadtteilen die Öffnung der Wahllokale zu verlängern oder zusätzliche Wahlmaschinen aufstellen zu lassen.

berichtet der Standard “Erste Probleme bei der Stimmabgabe”

Mit weiteren Problemen und Unstimmigkeiten ist zu rechnen. Wir werden natürlich umfassend berichten.

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Update: Hier ein schön zynisches Video, in dem die Sequoia Wahlmaschinen sich selbst zum Präsidenten gewählt haben: Voting Machines Elect One Of Their Own As President


E-Voting und Usability

November 2, 2008

Wie zu erwarten, wird es kurz vor den Präsidentschaftswahlen in den USA nochmal spannend. Nicht nur in Bezug auf den neuen Präsidenten, sondern auch mit Problemen bei E-voting Systemen. So berichtet etwa die Huffington Post in einem Artikel [1], dass TV-Star Oprah Winfrey sich vorgestern über Probleme bei ihrer Stimmbgabe (early voting) beschwert hat:

It was my first time doing electronic, so I didn’t mark the X strong enough, or I held down too long. Because then when I went back to check it, it had not recorded my presidential vote

Das System hat also erstmal die Stimmabgabe nicht (richtig) erkannt. In dem dazugehörigen Video auf der Seite, berichtet sie unter anderem auch von einer Wartezeit von 1h 12min.
Oprah hat auf jeden Fall eine große Medienwirkung in den USA, was dem Thema jetzt nochmal einigen Aufschwung verleihen dürfte.

Aber nochmal zurück zu den anderen Problemen. Auch wenn sich das noch nicht wirklich nach einem schwerwiegenden Fehler seitens des Systems anhört, so spricht es doch einen wesentlichen Punkt an – nämlich die Usability, also die Benutzbarkeit des Systems durch den Endanwender. Darunter fallen Sachen wie, eine klare und einfache Benutzeroberfläche, ausreichend große Schrift und so weiter, die dem Wähler eine schnelle und eindeutige Stimmabgabe ermöglichen sollen. Der Papierstimmzettel sollte im Idealfall weitestgehend originalgetreu nachgebildet werden.

In diesem Bereich gab es auch jüngst bei den Kommunalwahlen in Brandenburg Probleme. Gerade älteren Menschen, die eine sehr große Wählergruppe darstellen, hatten sehr oft Schwierigkeiten die zu kleine Schrift auf den Displays lesen zu können. Daraus resultieren im Endeffekt eine gewisse Unsicherheit gegenüber der Technik, da sie sich nicht ohne weiteres bedienen lässt, aber auch längere Wartezeiten bei der Stimmabgabe. Dazu heisst es im Wahlbeobachtungsbericht [.pdf] des Chaos Computer Club unter anderem

Erstmals wurden in ausnahmslos allen beobachteten Wahllokalen massive Bedienungsschwierigkeiten festgestellt.
Trotzdem die Anforderungen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt an die Wahlcomputer festschreiben, daß alle Angaben auf dem Tastentableau „gut erkennbar“ und „gut lesbar“ sein sollen, war dies in der Praxis nicht der Fall. Die Wahlcomputer wurden durchweg mit angehängten Leselupen in den Wahllokalen aufgestellt, da selbst für normalsichtige Menschen die winzigen Tastenbeschriftungen der Wahlvorschläge nicht ohne weiteres zu entziffern waren. Gerade ältere Menschen waren auch unter Zuhilfenahme der Lupen oft nicht in der Lage, ihren gewünschten Wahlvorschlag aufzufinden.

Die usability stellt neben der Sicherheit und Transparenz elektronischer Wahlsysteme, einen enorm wichtigen Faktor dar (siehe auch Human Factors). Dieser wurde jedoch anscheinend von den Herstellern bislang unterschätzt und in Folge dessen unzureichend umgesetzt.

Update:

Florian Rötzer fasst bei Telepolis auch nochmal zusammen, was aus Wählersicht so alles schiefgehen kann: Warum in den USA Wahlen eine Zitterpartie sind


[1] via fefe

weitere links
wp: early voting
wp: usability


Human Factors bei Wahlcomputern

Oktober 29, 2008

“Das Gebiet der Human Factors, also der menschlichen Aspekte und Faktoren bei Wahlmaschinen ist ein sehr weit reichendes und geht von der Akzeptanz des Systems, über Benutzerinterfaces, bis hin zum Einfluss jedes einzelnen Individuums in jeder Phase der Erstellung, des Einsatzes und der Wartung eines E-Voting-Systems.” – aus der “Bibel” ;)

Video the Vote ist ein “Netzwerk von US Journalisten, unabhängigen Filmemachern und Medien-Experten, die zusammen arbeiten um Wähler-Unterdrückung und Aberkennung der Bürgerrechte bei Wahlen zu dokumentieren”. Bei der Initiative geht es nicht rein um Wahlcomputer, sondern auch um andere Arten von Unregelmäßigkeiten wie Wahlkreismanipulationen. Etwa werden durch lange Warteschlangen vor der Wahlkabine Arbeiter dazu gezwungen, die Schlange früher zu verlassen, ohne ihre Stimme abzugeben, da sie einfach wieder wochentags zur Arbeit zurück müssen. Aviel Rubin, E-Voting-Experte von der Johns Hopkins Uni und Autor des hervorragenden Buches “brave new ballot” beschreibt das Problem der langen Warteschlangen vor DRE (driect recording electronic voting machines) ebenfalls.

Hier ein Video von video the vote, das zeigt, wie eine falsche Kalibrierung des Touchscreen-Displays zu einer anderen Wahlentscheidung des Wählers führt (man will Kandidat A wählen, der Computer stimmt aber für Kandidat B):

Im Zusammenhang mit Usability und Ergonomie der Wahlcomputer gibt es aktuell auch das “Wahlmaschinenfiasko in Finnland“, wo in drei finnischen Gemeinden Wahlcomputer getestet wurden. Die Bediehnbarkeit der Geräte war allerdings so schlecht, dass viele ihre Stimme abgaben, aber vergaßen mit “OK” nochmals zu bestätigen, womit die Stimme nicht gezählt wurde. So gingen etwa 2% der Stimmen für immer verloren. Der finnische Abkömmling der EFF, die Electronic Frontier Finland (EFFI), hatte bereits im Vorfeld auf die Mängel hingewiesen, die in einem Bericht beschrieben werden.


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