Rücktritt der Wahlkommissionsvorsitzenden der HochschülerInnenschaft an der Universität Wien wegen E-Voting

Dezember 16, 2008

Die Vorsitzende der Wahlkommission und ihr Stellvertreter der HochschülerInnenschaft an der Universität Wien sind am 15.12.2008 wegen rechtlicher Bedenken in Bezug auf E-Voting zurückgetreten. Die beiden Vorsitzenden begründen ihren Schritt im Wesentlichen folgendermaßen:

Unsere Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Durchführung von E-Voting im Rahmen der ÖH-Wahlen 2009 konnten nicht ausgeräumt werden. Weder die Vorsitzende noch die Wahlkommission sehen sich in der Lage, die Datensicherheit zu gewährleisten und können hiefür daher auch nicht die Verantwortung übernehmen.

Die von Minister Hahn entsandte Vorsitzende und Verfassungsjuristin Gerda Marx wollte es nicht verantworten, die Daten der rund 72.000 StudentInnen der Universität Wien an das Bundesrechenzentrum (BRZ) weiter zu geben. Die Auswirkungen dieses Rücktritts könnten somit einerseits die Verzögerung der Übermittlung der Daten an das BRZ sein, anderseits könnte Minister Hahn nun dafür sorgen, dass die/der nächste Vorsitzende der Wahlkommission keine Bedenken bezüglich E-Voting hat.

Sophie-Marie Wollner, ÖH-Vorsitzteam der Universität Wien, ist wenig verwundert und meint dazu in einer Presseaussendung:

Dass die Wahlkommisionsvorsitzende der größten österreichischen Universität diesem datenschutzrechtlichen Wahnsinn nicht zustimmt, zeigt wie alleine Minister Hahn mit seinem Vorhaben ist.


ÖH: Kreativwettbewerbe für Anti-E-Voting-Kampagne

Dezember 14, 2008

Die Sitzung der Bundesvertretung der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft am vergangenen Freitag in Innsbruck stand stark im Zeichen von Internetwahlen.

Neben Beschlüssen, die das Vorgehen des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung in ihrem Bestreben, bei den kommenden ÖH-Wahlen E-Voting zu ermöglichen, kritisieren, wurde auch das weitere Vorgehen für die geplante Anti-E-Voting Kampagne der ÖH besprochen.

Es werden zwei Kreativwettbewerbe ausgeschrieben, deren Output die Optik der Kampagne bestimmen soll:

  • Erstellung eines Slogans, dotiert mit 500€
  • Erstellung eines Sujets, dotiert mit 3000€
    Das Sujet hat jedenfalls zu enthalten:

    • Definition von Farben,
    • Zumindest ein Objekt mit Wiedererkennungswert
    • die Definition einer Schriftart
    • Beispiele für die Verwendung der genannten Dinge auf Plakat, Flyer und Web

Der Slogan bzw. das Sujet hat jedenfalls die in der Beschreibung erläuterten Bedenken  der ÖH widerzuspiegeln. Die Kreativwettbewerbe laufen bis 7.1.2009. Sämtliche Vorschläge sind bis dahin per E-Mail an folgende Adressen zu übermitteln:

kreativwettbewerb-slogan@oeh.ac.at für den Slogan, bzw.
kreativwettbewerb-sujet@oeh.ac.at für das Sujet.

Hier sind die Original-Antragstexte für den Slogan-Kreativwettbewerb und für den Sujet-Kreativwettbewerb, die Ausschreibungstexte sind noch in Arbeit.


Technische E-Voting-Konzepte mit Bürgerkarte

Dezember 12, 2008

Ein Interview mit Thomas Rössler in der futurezone beschreibt ein auf Bürgerkarten-basierendes Konzept für Internetwahlen, das er im Rahmen seiner Dissertation an der TU Graz erarbeitet hat. Er diskutiert technische Fragestellungen und Lösungsmöglichkeiten, allerdings nicht konkrete Implementierungen, sondern nur theoretische Entwürfe, bei denen der “Wähler nicht wissen [muss], wie das System funktioniert”, dem er/sie darauf vertraut.

Die technische Ebene, also die Wahlprotokolle, die auf Verschlüsselungsverfahren und kryptographischen Zertifizierungen basieren, sind aber auch das geringste Problem bei elektronischen Wahlverfahren, da diese Verfahren bereits lange im Einsatz und als hinreichend sicher gelten. Das sogenannte Family-Voting, also Beeinflussung der Wahlentscheidung durch Dritte, wie auch Stimmenkauf, sind nach wie vor ein Problem bei Distanzwahlen, wie etwa auch bei Briefwahlen, gegen das bisher kein wirksames Mittel gefunden wurde. Das ersetzende, mehrfache Abgeben einer Stimme kann bei einem zeitlich begrenzten Verfahren nur teilweise absichern, wobei diese Methode bei den ÖH-Wahlen nicht einmal eingesetzt wird.

Eine gängige Lösung, um Teile eines IT-Systems abzusichern, wäre eine Überprüfung bzw. Zertifizierung, etwa nach einem Common Criteria Schutzprofil (so lautet auch die Europaratsempfehlung zu E-Voting). Allerdings decken diese Zertifizierungen nicht alle Aspekte von Sicherheit ab, täuschen zudem aber falsche gefühlte Sicherheit vor. Bei den ÖH-Wahlen wird das System zudem von A-SIT, der österreichische Bestätigungsstelle für die Signaturherstellungsgeräte, überprüft, also der Stelle, die auch die Bürgerkarten mitentwickelt hat und an dessen Verbreitung stark interessiert ist.

Open Source wäre ein guter Anfang für ein Internetwahlverfahren, da so Überprüfungen durch unabhängige Experten, wie z.B. durch den Chaos Computer Club, ermöglicht und dadurch eine höhere Qualität gewährleistet wird. Der Source Code des Wahlsystems der ÖH-Wahlen wird allerdings nicht öffentlich zugänglich sein, sondern nur den Wahlbehören der ÖHs und das nur nach der Unterzeichnung einer Geheimhaltungserklärung. Open Source ist aber auch nicht die Lösung, da nicht gewährleistet werden kann, dass auch der Source Code, der inspiziert wurde, eingesetzt wird und die Laufzeitumgebung und die Hardware ebenfalls überprüft werden muss.

Ein weiteres technisches Problem sind Brute-Force-Angriffe auf die Wahldaten, die mittels Vorratsdatenspeicherung gesichert und Jahre später entschlüsselt werden könnten. Die eingesetzten kryptographischen Verfahren sind aus heutiger Sicht nun mal nur hinreichend sicher, aber nicht niemals unbrechbar.

Um E-Voting für Gebietskörperschaftswahlen in Österreich, wie etwa Nationalratswahlen, einzuführen, ist nach wie vor eine 2/3 Mehrheit im Parlament erforderlich und solange sich die Parteien hier nicht einig sind (ÖVP dafür, SPÖ und Grüne dagegen), wird es zu einer solchen Änderung des Wahlrechts nicht kommen. Allerdings wurden die Briefwahlen damals auch mit der Wahlrechtsnovelle 2007 in einem Wahlrechts-Gesamtpaket (Wählen ab 16, Nationalratswahlen alle 5 statt 4 Jahre…) beschlossen. Für sich allein genommen, wäre die Briefwahl wohl nicht beschlossen worden.

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Ein weiterer Beitrag zur E-Voting-Enquete, von der wir bereits berichtet haben, erschien ebenfalls, zu dem der ORF Al-Mobayyed, den stellvertretenden ÖH-Vorsitzenden an der TU Graz, Markus Hauser und Michael Gissing, Autor auf papierwahl.at, interviewt wurden.


Wahlrechtliche Probleme bei ÖH-Wahlen

Dezember 5, 2008

Das Wahlrecht bei ÖH-Wahlen ist eine seltsame Sache. Mit der Reform des HSG 1998 (HochschülerInnenschaftsgesetz 1998) im Jahre 2005 wurde die Direktwahl der Bundesvertretung abgeschafft. Die Bundesvertretung ist die österreichweite Vertretung der Studierenden, sie hat auch das größte politische Gewicht, sie ist es, die man mit “die ÖH” meint. Um in der Öffentlichkeit Gehör zu finden, versuchen alle Fraktionen innerhalb der ÖH in der Bundesvertretung so stark wie möglich vertreten zu sein. Die Bundesvertretung wird aber, wie schon erwähnt, nicht direkt gewählt – wie kommen also die Studierendenvertreter zu ihren Mandaten? Die einzelnen Universitätsvertretungen, also die HochschülerInnenschaften an den Universitäten, werden direkt gewählt. Anhand dieses Wahlergebnisses werden dann Vertreter in die Bundesvertretung entsandt. Wie viele Mandate einer Universität zustehen hängt von der Anzahl der wahlberechtigten  Studierenden an der Universität ab.

Da es in Österreich den freien Hochschulzugang gibt, darf jeder Bürger und jede Bürgerin an allen Universitäten Österreichs (außer an einigen Kunstunis – künstlerische Eignungsprüfung [§63] [§76]) ein Studium inskribieren. Das heißt aber auch, dass man an allen Universitäten, an denen man inskribiert ist, wahlberechtigt ist. Das hat ja auch einen Sinn, wenn man an mehreren Universitäten einem Studium nachgeht, will man dort auch mitbestimmen dürfen. Betrachtet man diese Regelung im Kontext der indirekten Wahl zur Bundesvertretung, sowie der Möglichkeit des E-Votings, so kommt folgendes heraus:

Wenn man sich bemüht, ist es möglich, die Zusammensetzung der Bundesvertretung zu beeinflussen. Durch E-Voting ist dies insofern noch leichter, als die “Wahlsoldaten” nicht von Universität zu Universität reisen müssen, um ihre Stimme abzugeben, sondern dies gemütlich von zu Hause aus erledigen können. Sie müssen nur an allen Universitäten inskribiert sein – das geht zum Beispiel auch mit einer Vollmacht – und für die gewünschte Fraktion abstimmen. Ohne E-Voting müssten die Wähler an den Wahltagen die Universitäten von Innsbruck bis Wien persönlich abklappern, um einen ähnlichen Einfluss zu erreichen.

Durch E-Voting kann eine Fraktion  also mit wenig Aufwand zusätzliche Mandate oder überhaupt den Einzug in die Bundesvertretung erreichen.


Elektronische ÖH-Wahlen

November 11, 2008

Ob es bei den kommenden Österreichischen HochschülerInnenwahlen tatsächlich zu einem E-Voting-Echtwahlversuch kommen wird, ist noch nicht ganz klar. An einer neuen Ausschreibung wird gearbeitet. Genaue Informationen über Richtlinien zum Ablauf der Stimmabgabe, Voraussetzungen für Studierende oder welche Universitäten sich beteiligen sind derzeit noch nicht verfügbar. Bei der bereits angelaufenen Aktion studi.gv.at wirbt man bereits um Studierende für die Bürgerkarte mittels eines gratis Kartenlesegeräts.

Abstimmung über das Internet im April 2009 ist trotz Stilllegung von E-Voting für Nationalratswahlen in einer E-Voting-Parallelaktion dennoch geplant – gegen den Willen der ÖH und gegen die Bedenken des Datenschutzrates. Die ÖH wehrt sich erneut und verlangt, dass die E-Voting-Pläne begraben werden. Das Wissenschaftsministerium beharrt auf die Umsetzung.

Die erste Ausschreibung ist geplatzt, trotzdem scheint das Projekt auf Schiene zu sein, obwohl die Zeit ziemlich knapp wird. Bis zu einem Zuschlag nach einer erneuten Ausschreibung wird noch gewisse Zeit vergehen, Software und Hardware müssen aufgebaut und installiert werden und Testläufe dauern auch einige Zeit. Ob sich die geplante Investition von geschätzten 400.000 Euro überhaupt lohnen wird, wird die Zeit zeigen.

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Obwohl derzeit noch kaum konkrete Fakten verfügbar sind, hier ein paar Grundsätze zur ÖH-Internetwahl:

  • Die elektronische Wahl wird parallel zur Papierwahl stattfinden und ist nicht verpflichtend
  • Eine Registrierung für E-Voting ist notwendig
  • Man braucht eine Bürgerkarte für die Stimmabgabe, damit auch ein Kartenlesegerät (Signaturgesetz)
  • Die Stimme kann an jedem beliebigen Ort mittels Internetzugang abgegeben werden, auch im Park über 3G, im Bett über WLAN oder im Internetcafé

Über weitere Punkte kann man nur mutmaßen, wie etwa:

  • Die elektronisch abgegebene Stimme kann wahrscheinlich durch ein erneutes Abgeben widerrufen werden – so will man Stimmenkauf verhindern, Rückverfolgbarkeit ist aber ein Problem.
  • Wahrscheinlich ist die elektronische Abgabe nur vor den Wahltagen für die Papierwahl möglich. So könnte man durch eine Papierstimme die elektronische Stimme ungültig machen.

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Das ÖH-Wahlrecht (hier § 34 bzw. § 48) wurde schon vor einigen Jahren geändert, um E-Voting zu ermöglichen. Ein interessantes Detail noch zum Schluss: Im Gesetztestext steht:

[..] der Bundesminister kann nach Anhörung des Datenschutzrates [..] festlegen, dass bei den Wahlen die Stimmabgabe auch auf elektronischem Weg möglich ist

.. was passiert, wenn der DSR widerspricht, steht hier nicht.

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e-voting_jovp

[Das Bild wurde zwar schon vor einiger Zeit verwendet, passt aber wieder mal perfekt]


e-voting-ausschreibung für ÖH wahlen gescheitert

September 21, 2008

endlich ist die katze aus dem sack! es gibt verzögerungen bei der einführung von internetwahlen für die ÖH-wahl.

auf heise.de heißt es:

Das Wissenschaftsministerium musste die Ausschreibung und die bereits getroffenen Zuschlagsentscheidungen widerrufen, nachdem unterlegene Konkurrenten Rechtsmittel [beim Bundesvergabeamt] eingelegt hatten. [..] Unbestätigten Informationen zufolge soll den unterlegenen Bewerbern sauer aufgestoßen sein, dass sie nicht einmal zu Verhandlungen eingeladen wurden.

e-voting soll in österreich aber durchgeboxt werden, die erneute ausschreibung soll noch vor den öh-wahlen im frühling 2009 abgeschlossen werden. auch ein grund für den einsatz von e-voting in österreich ist die mangelnde verbreitung der bürgerkarten, die für eine teilnahme an einer elektronischen wahl verplichtend wären.

etwas gruseliger wird es hier:

Die Österreichische Hochschülerschaft selbst hat sich einstimmig gegen die Einführung von E-Voting ausgesprochen, Wissenschaftsministerium Johannes Hahn (ÖVP) hält aber ab an seinen Plänen fest. Dafür will er eine neue Hochschülerschaftswahlordnung einrichten. In einigen Jahren könnte die Papierwahl vollständig durch E-Voting ersetzt werden.

hier sind aber auch die neuwahlen abzuwarten, da ein neuer wissenschaftsminister vielleicht anders entscheiden würde.

auch in der futurezone

via murdelta – schön, dass das thema auch noch andere österreichische blogger verfolgen :)

[verbesserte wahlcomputer]


e-voting gegenbewegung von seiten der ÖH

September 15, 2008

ich bin begeistert, dass es endlich eine gegenbewegung von seiten der ÖH zur den geplanten internetwahlen bei den kommenden hochschülerschaftswahlen im frühling 2009 gibt. hier der link:

http://www.rettet-die-wahlen.at/


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