Februar 10, 2010
Die zweijährig stattfindende E-Voting-Konferenz EVOTE findet von 21.-24. Juli 2010 auch dieses Mal im Schloss Hofen in Bregenz statt. Die Konferenz wird von Robert Krimmer, e-voting.cc organisiert. Vor zwei Jahren waren auf der EVOTE2008 bereits einige Mitglieder von papierwahl.at (u.a. Dr. Barbara Ondrisek) neben zahlreichen Befürwortern vertreten.
Beiträge für den Konferenzband werden noch bis Freitag, den 26. Februar, angenommen.

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Februar 1, 2010
Die Jury “bestehend aus Experten, führenden Persönlichkeiten der IKT-Branche sowie den Medien und der Politik” wählte das E-Voting-Projekt bei den HochschülerInnenschaftswahlen 2009 auf Platz 2 für 2009 in Wien:
Dank der guten Zusammenarbeit zwischen dem Wissenschaftsministerium und seinen Partnern Bundesrechenzentrum, e-Voting.CC, IVM, Scytl und TU Wien, ging die technische Umsetzung dabei reibungslos und ohne Störungen über die Bühne.
Einige Bewertungen der Jury lauteten:
“bahnbrechendes Projekt für E-Democracy”
“E-Government in Reinstform”
“Bürgerservice der Zukunft”

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Januar 29, 2010
Nach der letzten Übersicht über die Einsprüche gegen die ÖH-Wahlen nun aktuelle Nachrichten zu den Anfechtungen:
Der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) geht nun wegen der abgelehnten Bescheide (Beschwerden wegen E-Voting an Unis Linz und Innsbruck sowie an TUs Graz und Wien) in Berufung (die Futurezone berichtet). Wird diese vom Ministerium zurückgewiesen, kann der nächst höhere Schritt – eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof – angegangen werden. Die Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) wollen den gleichen Weg einschlagen.
Die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) tritt nun in die Fußstapfen Hahns:
Karl hatte sich zuletzt am 18. Jänner noch in ihrer Funktion als Wissenschaftssprecherin der Volkspartei für das E-Voting ausgesprochen und es als “korrekt durchgeführt” bezeichnet. Die Mängel hätten nicht mit dem System an sich zu tun, sondern hätten organisatorische Gründe gehabt.
Die AktionsGemeinschaft (AG) hat Berufung gegen die Aufhebung der Wahl an der Uni Wien durch die Bundeswahlkommission eingelegt (Artikel in der Futurezone).
ÖH-Wahl an Uni Wien wird vermutlich nicht wiederholt, berichtet diePresse.
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November 27, 2009
Wie die Futurezone berichtet, muss die ÖH-Wahl “wegen fehlerhafter elektronischer Stimmzettel voraussichtlich wiederholt” werden, da die Bundeswahlkommission die Wahl an der Uni Wien aufgehoben hat. Die Uni Salzburg ist auch eventuell betroffen.
Bei der Wahlkommission langten insgesamt 33 Einsprüche gegen die letzte ÖH-Wahl im Frühling 2009 ein (derStandard.at):
Grund für die Wahlaufhebung soll indirekt das bei der ÖH-Wahl 2009 erstmals mögliche E-Voting sein. Am elektronischen Stimmzettel war der Listenname der Jungen Europäischen Studenteninitiative (JES) fehlerhaft, der Liste fehlte das “Europäische”. Zudem fehlten auf dem Internet-Stimmzettel [..] bei allen Fraktionen die Kurzbezeichnungen. [..]
Angefochten haben die Wahl die Grünen Alternativen StudentInnen (GRAS). An allen Universitäten, an denen sie kandidiert haben wurde das Ergebnis aufgrund des E-Voting-Verfahrens und möglicher Bedenken angefochten [..]. Zwei Verfassungsgerichtshofklagen aus dem Umfeld des Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) wurden aus formalen Gründen abgelehnt.
Nachtrag: heise.de berichtet ebenfalls.
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Oktober 18, 2009
Wie letztes Jahr auch (“Hahn wegen E-Voting-Drängen bei Big Brother Award nominiert“) wurde Minister Hahn wegen seines missglückten E-Voting-Versuchs bei den ÖH-Wahlen erneut nominiert. Wir wünschen dieses Mal mehr Glück ;)
Die Nominierung auf der Seite der Big Brother Awards Österreich 2009:
Wissenschaftsminister Johannes Hahn [ÖVP]: Wahlen als Glücksspiel
Die Hochschülerschaft hatte sich mehrfach und mehrheitlich dagegen ausgesprochen, der Herr Minister hatte stets stereotyp ausrichten lassen, man möge doch nicht so “technikfeindlich” sein.
Der Datenschutzrat hatte eingewendet, dass E-Voting die in der Verfassung verankerten fundamentalen Grundsätze einer freien, geheimen und persönlichen Wahl nicht erfüllen könne. Internationale Studien belegen, dass bei der elektronischen Stimmabgabe nicht sicher ist, ob die Stimme wirklich abgegeben wird, ob sie ankommt und ob sie richtig gewertet wird. Zur “Technikfeindlichkeit”: Dass Wahlstimme und Identifikationsdaten wieder zusammen geführt werden können, sei ebenso möglich, wie Manipulationen aller Art, das waren die Einwände der Techniker. Auch dass die ARGE Daten mit einem simplen Plug-In die Angreifbarkeit eines solchen E-Voting-Systems durch manuelle DoS-Angriffe im Vorfeld der Wahlen zur österreichischen Hochschülerschaft demonstrierte – all das zusammen focht Bildungsminister Johannes Hahn nicht an. Von einer guten Viertelmillion Studierenden gaben gerade einmal 2.100 ihre Stimme elektronisch ab. Der Verlauf der Auszählung ist nur als chaotisch zu bezeichnen, eine Woche danach lagen noch immer nicht alle Ergebnisse vor. Insgesamt gab es 25 gerichtliche Anfechtungen der Wahl, die Wahlbeteiligung war so niedrig wie noch nie. Die zusätzlichen Kosten werden offiziell mit etwa einer Million Euro angegeben, laut Experten sind die Gesamtkosten etwa doppelt so hoch.
Netwatcher24.net Interview mit Gio Hahn, ÖVP BM f. Wissenschaft über E-Voting Vimeo Link
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Oktober 5, 2009
Wie die Futurezone berichtet, fordert der deutsche Branchenverband BITKOM Internetwahlen, um “die Wahlbeteiligung zu erhöhen”. Die beauftragte Studie ergab, dass bei der vergangenen Bundestagswahl am 27. September in Deutschland die Wahlbeteiligung gesteigert werden hätte können, falls Online-Wahlen angeboten worden wären:
Danach gaben 21 Prozent der Nichtwähler an, dass sie gewählt hätten, wenn sie die Möglichkeit zur elektronischen Stimmabgabe per Internet gehabt hätten. [..] 25 Prozent der 18- bis 29-jährigen Nichtwähler hätten davon Gebrauch gemacht, aber nur elf Prozent der über 59-Jährigen.
[..] August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbandes, forderte im Zuge der Veröffentlichung der Studie, dass die Politik in der kommenden Legislaturperiode die rechtlichen Voraussetzungen für elektronische Wahlen schaffen solle.
Derzeit sind Wahlen über das Internet in Deutschland nicht verfassungskonform und nach dem letzten vernichtenden Wahlcomputer-Urteil (wir berichteten) sieht es wohl nicht nach einer baldigen Änderung der Deutschen Verfassung aus.
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September 27, 2009
Passend zum heutigen Wahlsonntag etwas verspätet ein Bericht über den Fortschritt die Entwicklung des Online-Wahlsystems Voteremote von Richard Sietmann für heise.de:
Das Deutsche BMWi (Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie) hat im Rahmen der Innovationsförderung das Online-Wahlsystem Voteremote mit rund 1,2 Millionen Euro gefördert. T-Systems hat hier gemeinsam mit der TU Darmstadt und der Universität Kassel ein Wahlsystem für nicht-parlamentarische Wahlen entwickelt, “das sich zum Schutz der geheimen Stimmabgabe und vor Manipulationen unter anderem auf eine zweifache Verschlüsselung der Voten, die Übertragung der Wählerstimme über verschlüsselte Verbindungen sowie die Ablage der Daten in einem Hochsicherheitsrechenzentrum stützt.”
Ein Pilotversuch für Parlamentswahlen sei prinzipiell angedacht, aber vorerst wird das Wahlsystem nicht eingesetzt, auch nicht für nicht-parlamentarische Vertreterwahlen.
Zu dem im Projekt angestrebten Einsatz von voteremote parallel zur Briefwahl in den Sozialwahlen 2011 wird es mangels rechtzeitiger Zertifizierung und Erprobung jedenfalls nicht kommen. [..] Den Versicherten die Option zur Online-Wahl zu eröffnen, sei jetzt für die nächsten im Jahre 2017 anstehenden Sozialwahlen das Ziel [..].
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September 25, 2009
Peter Purgathofer, Mitbegründer von papierwahl.at, schrieb folgenden Beitrag auf soup.io:
wow. ich bin baff.
man stelle sich vor: da bauen die beim amerikanischen voting-equipment hersteller sequoia ein e-voting-gerät, das keinen code aus dem RAM laufen kann, um zu verhindern, dass die maschine gepwnd [1] wird. das klingt nach einer ausgezeichneten sicherheitsmaßnahme, oder?
im sequoia AVC advantage, einem kleinen, feinen, rund 10 jahre alten e-voting-gerät, ist dafür extra hardware eingebaut, die verhindert, dass code aus dem RAM ausgeführt werden kann. das sollte reichen, oder? wie in aller welt kann man da noch manipulieren?
doch wieder einmal zeigt sich, dass mit ausreichend kreativer intelligenz jede noch so sicher scheinende maßnahme geknackt werden kann:
schritt 1: analysiere den code im ROM, und finde alle “return”-statements am ende von subroutines. diese springen bekanntlich an die adresse, die im stack ganz obenauf liegt.
schritt 2: schau dir an, was die letzten paar instruktionen vor den “return”-statements machen.
schritt 3: konstruiere die malware, indem du sie aus kombiniationen von kleinen codeblöcken aus diesen letzten paar instruktionen vor dem return zusammenbaust.
schritt 4: konstruiere einen stack mit return-adressen, die dafür sorgen, dass der prozessor der reihe nach die blöcke von instruktionen vor dem return abarbeitet. mit jedem erreichen eines “return”-statements wird der nächste code-block angesprungen.
schritt 5: finde eine buffer-overflow-vulnerability und nutze sie, um den stack mit diesem satz an adressen zu füllen.
im konkreten fall ist es gelungen, eine vote stealing software zu konstruieren, die die maschine ganz normal erscheinen lässt, die wahl jedoch entsprechend eines voreingestellten ergebnisses fäscht.
die ironie der sache: einige amerikanische bundesstaaten haben ihre sequoia AVC advantage verkauft (die dinger sind 10 jahre alt) – was auch die basis zur entwicklung dieses hacks war – anderer bundesstaaten verwenden das gerät nach wie vor…
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August 27, 2009
In dem Artikel in der Futurezone, in dem papierwahl.at und seine Gründer Barbara Ondrisek und Peter Purgathofer namentlich als Kritiker erwähnt werden, wird die parlamentarische Anfrage der Grünen zitiert, wonach Wissenschaftsminister Johannes Hahn die aufgeschlüsselten Kosten des Einsatzes von E-Voting bei den ÖH-Wahlen nannte.
- Die von Scytl verschenkte E-Voting-Software: 66.000 €
- Zertifizierung der Wahlsoftware durch A-SIT: 54.837,72 €
- Die kostenlos an die Studierenden abgegebenen Kartenlesegeräte 104.847,89 €
- Webseite studi.gv.at: 14.488,13 €
- Werbung: 245.000 € + 173.608,92 € + 88.852 €
- Evaluierung: 50.000 €
- Meinungsforschung: 47.800 € + 13.980 € + 12.240 €
== rund 871.655 €
Ob und wo die Beratungskosten von Robert Krimmer (e-voting.cc) und Thomas Grechenig mit Gerald Fischer etc. (technische Beratung seitens des Instituts INSO) einfließen, ist unklar. Ebenso sind die Personalkosten des BRZ etc. für die Durchführung der Wahl nicht explizit aufgelistet.
Hardwarekosten fehlen ebenfalls. Es wird in der Anfragebeantwortung erwähnt, dass “technische Komponenten (Server, Laptops, etc.) angeschafft” wurden, “Die Höhe der Kosten ist [..] nicht im Einzelnen quantifizierbar.”
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Somit dürfte Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten, mit seiner Schätzung im Mai 2009 von zwei Millionen Euro wohl recht behalten.
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Die hohen Kosten wurden ebenfalls in dem ZIB-Beitrag vom 26.08.2009 erwähnt (ca. ab Minute 14).
Nachtrag: Hier der diePresse.com-Beitrag zum selben Thema.
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August 7, 2009
Die ORF Futurezone berichtet (via LX_T):
Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat zwei Anträge aus dem Umfeld des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) gegen das E-Voting bei der Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) wegen formaler Mängel zurückgewiesen.
Die Anträge seien zu ungenau formuliert. Sie würden nicht klar zum Ausdruck bringen, welche Rechtsvorschrift aufgehoben werden soll, wird in dem am Freitag zugestellten Beschluss erläutert.
Nachtrag: Der RFS habe allerdings die Möglichkeit “ihren Individualantrag in verbesserter Form erneut beim VfGH einzubringen. Wie der RFS gegenüber heise online erklärte, ist noch nicht entschieden, ob dieser Weg beschritten wird. Das politische Ziel, E-Voting für öffentliche Körperschaften zu stoppen, werde in jedem Fall weiterverfolgt.” (via heise online)
Der Antrag der Grüne & Alternative StudentInnen (GRAS), die die ÖH-Wahlen ebenfalls aufgrund von E-Voting anfechten, ist weiterhin noch in Bearbeitung. So befindet sich auch der Antrag der ÖH Wien, der sich auch auf das Hochschülerschaftsgesetz bezieht, noch beim VfGH im Vorverfahren.
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