Die Zukunft des E-Voting in Deutschland

Dezember 18, 2008

Ulrich Wiesner ist in Deutschland als Beschwerdeführer gegen die Nedap-Wahlcomputer vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Während wir [Chaos Computer Club] noch auf die Entscheidung warten, die innerhalb des Januars erwartet wird, macht er sich jetzt Gedanken um die Zukunft computerisierter Wahlen:

Cryptographic methods have been suggested as a solution of the transparency and auditability issues in electronic voting. This talk introduces some of the suggested approaches and explains why such methods replace one issue with another, rather than fixing it. [1]

Wer zwischen Weihnachten und Neujahr endlich eine Ausrede braucht, dem Festtagstreiben zu entkommen, dem sei eine Reise nach Berlin empfohlen, wo Ulrich seine Erkenntnisse beim 25c3 [Chaos Communication Congress] vortragen wird. (Wer nicht kann oder möchte: Es wird natürlich auch einen Stream sowie wenig später eine Aufzeichnung geben.)

[1] Vortrag eVoting after Nedap and Digital Pen
ccc

ccc wahlcomputer-logo e-voting


FPÖ ist gegen E-Voting

Dezember 18, 2008

In einer OTS Aussendung hat der Nationalratsabgeordnete und Verfassungsprecher der FPÖ, Harald Stefan, die Position der FPÖ zum Thema E-Voting bekanntgegeben.

“Die FPÖ fühlt sich jetzt in ihren Bedenken gegen das “e-voting” erst recht bestätigt”, kommentiert FPÖ-Verfassungssprecher NAbg. Mag. Harald Stefan den Rücktritt der Vorsitzenden der Wahlkommission der Uni Wien. “Wie jetzt auch schon Funktionäre der ÖH bemerkt haben, öffnet das sogenannte e-voting der Verletzung des Wahlgeheimnisses und einer Verwässerung des Wahlergebnisses Tür und Tor.”

“Wie bei jedem Datentransport können Probleme unter anderem dadurch entstehen, dass es durch Trojaner und zeitlich begrenzte Verschlüsselungen zu einer Offenlegung des Wahlgeheimnisses kommt, dass durch Löschen oder Vervielfältigung von Stimmen eine Verfälschung des Wahlergebnisses entsteht, oder dass fehlendes Equipment bei Wahlberechtigten oder die Arbeitsunfähigkeit seines Servers oder Rechners, infolge eines Angriffes auf diesen, zu einer Ungleichbehandlung unter den Wählern führt”, führt Stefan aus. Hierbei werde die Möglichkeit der absichtlichen Manipulation noch gar nicht in Erwägung gezogen.

“Man kann nur hoffen, dass durch diesen Prostet in der ÖH jetzt auch innerhalb anderer Parteien ein Umdenkprozess beginnt. Die FPÖ kann sich hier der Problemlösungsverweigerung der anderen Parteien auf keinen Fall anschließen und lehnt das “e-voting” wegen seiner Unsicherheit weiterhin strikt ab”, schließt Stefan.


Purgathofer: “Vertrauen in Technologie nicht gerechtfertigt”

Dezember 18, 2008

purgathofer e-voting

Peter Purgathofer, Mitbegründer von papierwahl.at und Professor am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung an der TU Wien, ist bereits in einigen Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen mit pointierter Kritik gegen E-Voting aufgetreten, auch im letzten Futurezone-Artikel:

Der elektronische Wahlvorgang sei für den Großteil der Bevölkerung nicht nachvollziehbar [..]. Darüber hinaus seien elektronische Wahlsysteme für Manipulationen anfällig. Die Systeme seien zwar in der Theorie einwandfrei, so Purgathofer: “In der praktischen Implementierung sind Sicherheitsschwachstellen aber nicht zu verhindern.” [..] Wir verlieren also die Transparenz, die durch das einfache Verfahren der Papierwahl gegeben ist, und müssen sie durch das Vertrauen in Experten ersetzen, die uns erklären, dass unsere Stimme gut behandelt wird. [..]

Wir wissen bei Wahlen über das Internet nicht, ob unsere Stimme gezählt wird, und ob sie richtig gezählt wird. Es ist auch unklar, ob das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt. Wir müssen den Experten vertrauen. [..]

Natürlich werden auch Papierwahlen manipuliert. Wahlmanipulationen haben eine lange Geschichte, die auch auf Wikipedia nachgelesen werden kann. Es passiert jedoch immer nur dort, wo die Transparenz des Wahlverfahrens ganz bewusst unterlaufen wird, oder wo Menschen am Wählen gehindert werden. In der Regel sind solche Manipulationen sehr leicht feststellbar. Bei Wahlen über das Internet wird die Manipulation von Wahlen jedoch substanziell erleichtert.

Hier der ganze Beitrag, in dem auch eine schöne Gegenüberstellung von Online-Banking und E-Voting gemacht wird.

Im heutigen Beitrag auf derStandard.at “Angst und “Paranoia” vor E-Voting” wurde Peter Purgathofer ebenfalls zitiert, zusammen mit dem E-Voting-Befürworter Thomas Grechenig, Professor am INSO an der TU Wien, der auch an der Durchführung der ÖH-Internetwahl beteiligt ist, und Verfassungsrechtler Klaus Poier von der Uni Graz.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.