Dezember 29, 2008
Heute gab es beim Chaos Communication Congress in Berlin den Vortrag zum Thema E-Voting: „eVoting after Nedap and Digital Pen„. Ulrich Wiesner hat dabei versucht möglichst aus Nutzersicht zu argumentieren.
So kritisiert er beispielsweise die fehlende Nachvollziehbarkeit bei E-Voting-Systemen. Der derzeitig angestrebte Weg, mit Hilfe von Kryptographie ein sichereres System zu erhalten, würde es den Wählern zukünftig unmöglich machen, solche Systeme zu verstehen. Was zur Folge hätte, dass man sich blind auf ein paar wenige Experten verlassen müsste. Wobei man diesen Experten nicht mal böse Absichten unterstellen müsste, denn Softwarefehler bei komplexeren Systemen sind niemals auszuschließen. Dies wurde auch einem Beispiel verdeutlicht, das gezeigt hat, dass auch kleine Abweichungen bei der Stimmauszählung große Auswirkungen haben können.
Einleitend wurde eine kurze Übersicht zur aktuellen Verbreitung von E-Voting-Systemen gegeben. Der Schwerpunkt lag aber bei der Kryptographie.
Die vorgestellten Methoden (Three Ballot, Punchscan und Bingo Voting) können keine 100%-ige Sicherheit bieten. Einerseits gibt es mathematische / statistische Angriffsvektoren, andererseits verkompliziert es Wahlen unter Umständen um ein Vielfaches.
Zusammengefasst meint Wiesner, dass es derzeit kein praxistaugliches Modell gibt, dass ausreichend Sicherheit und Transparenz von Wahlen gewährleistet. Sei es mit kryptographischen Mitteln – die vielleicht ein wenig mehr an Sicherheit bringen, dafür aber gleichzeitig die Nachvollziehbarkeit weiter einschränken – oder ohne. Hauptkritik ist die fehlende Transparenz für den Wähler. Im akademischen Umfeld habe die Beschäftigung mit E-Voting durchaus seine Daseinsberechtigung, es aber bei „richtigen“ Wahlen einzusetzen, sei jedoch falsch.
(Die Slides und das Video zum Vortrag sollten die nächsten Tage online gestellt werden. Links dazu folgen dann.
update:
Die Links sind hier.)
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Verfasst von marc
Dezember 18, 2008
Ulrich Wiesner ist in Deutschland als Beschwerdeführer gegen die Nedap-Wahlcomputer vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Während wir [Chaos Computer Club] noch auf die Entscheidung warten, die innerhalb des Januars erwartet wird, macht er sich jetzt Gedanken um die Zukunft computerisierter Wahlen:
Cryptographic methods have been suggested as a solution of the transparency and auditability issues in electronic voting. This talk introduces some of the suggested approaches and explains why such methods replace one issue with another, rather than fixing it. [1]
Wer zwischen Weihnachten und Neujahr endlich eine Ausrede braucht, dem Festtagstreiben zu entkommen, dem sei eine Reise nach Berlin empfohlen, wo Ulrich seine Erkenntnisse beim 25c3 [Chaos Communication Congress] vortragen wird. (Wer nicht kann oder möchte: Es wird natürlich auch einen Stream sowie wenig später eine Aufzeichnung geben.)
[1] Vortrag eVoting after Nedap and Digital Pen


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Verfasst von 46halbe
Dezember 18, 2008
In einer OTS Aussendung hat der Nationalratsabgeordnete und Verfassungsprecher der FPÖ, Harald Stefan, die Position der FPÖ zum Thema E-Voting bekanntgegeben.
„Die FPÖ fühlt sich jetzt in ihren Bedenken gegen das „e-voting“ erst recht bestätigt“, kommentiert FPÖ-Verfassungssprecher NAbg. Mag. Harald Stefan den Rücktritt der Vorsitzenden der Wahlkommission der Uni Wien. „Wie jetzt auch schon Funktionäre der ÖH bemerkt haben, öffnet das sogenannte e-voting der Verletzung des Wahlgeheimnisses und einer Verwässerung des Wahlergebnisses Tür und Tor.“
„Wie bei jedem Datentransport können Probleme unter anderem dadurch entstehen, dass es durch Trojaner und zeitlich begrenzte Verschlüsselungen zu einer Offenlegung des Wahlgeheimnisses kommt, dass durch Löschen oder Vervielfältigung von Stimmen eine Verfälschung des Wahlergebnisses entsteht, oder dass fehlendes Equipment bei Wahlberechtigten oder die Arbeitsunfähigkeit seines Servers oder Rechners, infolge eines Angriffes auf diesen, zu einer Ungleichbehandlung unter den Wählern führt“, führt Stefan aus. Hierbei werde die Möglichkeit der absichtlichen Manipulation noch gar nicht in Erwägung gezogen.
„Man kann nur hoffen, dass durch diesen Prostet in der ÖH jetzt auch innerhalb anderer Parteien ein Umdenkprozess beginnt. Die FPÖ kann sich hier der Problemlösungsverweigerung der anderen Parteien auf keinen Fall anschließen und lehnt das „e-voting“ wegen seiner Unsicherheit weiterhin strikt ab“, schließt Stefan.
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Verfasst von scolytus
Dezember 18, 2008

Peter Purgathofer, Mitbegründer von papierwahl.at und Professor am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung an der TU Wien, ist bereits in einigen Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen mit pointierter Kritik gegen E-Voting aufgetreten, auch im letzten Futurezone-Artikel:
Der elektronische Wahlvorgang sei für den Großteil der Bevölkerung nicht nachvollziehbar [..]. Darüber hinaus seien elektronische Wahlsysteme für Manipulationen anfällig. Die Systeme seien zwar in der Theorie einwandfrei, so Purgathofer: „In der praktischen Implementierung sind Sicherheitsschwachstellen aber nicht zu verhindern.“ [..] Wir verlieren also die Transparenz, die durch das einfache Verfahren der Papierwahl gegeben ist, und müssen sie durch das Vertrauen in Experten ersetzen, die uns erklären, dass unsere Stimme gut behandelt wird. [..]
Wir wissen bei Wahlen über das Internet nicht, ob unsere Stimme gezählt wird, und ob sie richtig gezählt wird. Es ist auch unklar, ob das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt. Wir müssen den Experten vertrauen. [..]
Natürlich werden auch Papierwahlen manipuliert. Wahlmanipulationen haben eine lange Geschichte, die auch auf Wikipedia nachgelesen werden kann. Es passiert jedoch immer nur dort, wo die Transparenz des Wahlverfahrens ganz bewusst unterlaufen wird, oder wo Menschen am Wählen gehindert werden. In der Regel sind solche Manipulationen sehr leicht feststellbar. Bei Wahlen über das Internet wird die Manipulation von Wahlen jedoch substanziell erleichtert.
Hier der ganze Beitrag, in dem auch eine schöne Gegenüberstellung von Online-Banking und E-Voting gemacht wird.
Im heutigen Beitrag auf derStandard.at „Angst und „Paranoia“ vor E-Voting“ wurde Peter Purgathofer ebenfalls zitiert, zusammen mit dem E-Voting-Befürworter Thomas Grechenig, Professor am INSO an der TU Wien, der auch an der Durchführung der ÖH-Internetwahl beteiligt ist, und Verfassungsrechtler Klaus Poier von der Uni Graz.
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Verfasst von electrobabe
Dezember 16, 2008
Nach dem Rücktritt der Wahlkommissionsvorsitzenden der HochschülerInnenschaft an der Universität Wien (auch in der ORF-Futurezone) wegen rechtlicher und technischer Bedenken an dem Internetwahl-Projekt des Wissenschaftsministers Hahn, hagelt es weiterhin Kritik von Experten. Verfassungsjurist Heinz Mayer meinte im derStandard-Interview:
Es gebe überhaupt keinen Grund Veränderungen herbeizuführen, die noch dazu sicher fehleranfälliger sind als die derzeitige Abwicklung. Wahlmanipulation sei bei E-Voting im deutlich größeren Stil möglich und nur die wenigen Experten mit Einblick in das Wahlsystem könnten diese nachzuvollziehen. Dabei sei die Akzeptanz eines Wahlergebnisses mindestens so wichtig wie dessen Korrektheit.
papierwahl.at-Mitgründer und TU Wien Professor Peter Purgathofer äußert ebenfalls wieder starke Bedenken:
Die derzeit mögliche Kontrolle falle beim E-Voting weg. „Wir müssten dem Experten glauben, dass unsere Stimme tatsächlich gezählt wird und keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden.“ [..] „Bei einer Kontrolle sehe ich nur, was mir der Experte zeigen will. Und es gibt keine Garantie, dass die Software die gesamte Wahl über läuft, bzw. nicht ausgetauscht wird, etc.“
Ein Student von Peter Purgathofer, Constantin Hofstetter, fand ebenfalls Sicherheitslücken im Bürgerkarten-System:
Zwar könne man nicht auf das Zentralregister zugreifen, aber Personendaten wie Name, Geburtsdatum etc. mitlesen. Kritik übte er auch an der Kampagne an den Unis [studi.gv.at]. [..] Die Daten der Interessenten – inklusive lesbarer Passwörter – seien auf den Laptops der Tutoren unverschlüsselt als PDF gespeichert und per Mail an diese geschickt worden. „Verliert jemand einen PC, sind alle Daten einsehbar.“
Zudem sei das verteilte Kartenlesegerät nur von Sicherheitsklasse eins, wobei so mit zwischengeschalteter Software die PIN der Bürgerkarte abgefangen werden kann.
ÖH: Grüne prüfen Verfassungsklage, träger Bundesvorsitzender
Die Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) prüfen derzeit ebenfalls eine Klage beim Verfassungsgerichtshof gegen den E-Voting-Versuch.
Andere Fraktionen beklagen sich über das nur mangelhaft harte Auftreten des ÖH-Bundesvorsitzenden Samir Al-Mobayyed bei dem Thema E-Voting: Als Vorsitzender spricht er sich gegen E-Voting aus, als AG-Fraktionsmitglied verteidigte er aber die eher positive Position der AG beim Thema E-Voting – ein Widerspruch in sich.
Ministerium: Keine Verzögerungen
Das Projekt wiederum befindet sich weiterhin auf Schiene und lässt vorerst keine Verzögerungen vermuten
Man habe in der vergangenen Woche eine Sitzung mit allen Wahlkommissionen durchgeführt und darüber informiert, dass die E-Voting-Pläne rechtlich gedeckt seien. [ORF-Futurezone]
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Verfasst von electrobabe
Dezember 16, 2008
Die Vorsitzende der Wahlkommission und ihr Stellvertreter der HochschülerInnenschaft an der Universität Wien sind am 15.12.2008 wegen rechtlicher Bedenken in Bezug auf E-Voting zurückgetreten. Die beiden Vorsitzenden begründen ihren Schritt im Wesentlichen folgendermaßen:
Unsere Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Durchführung von E-Voting im Rahmen der ÖH-Wahlen 2009 konnten nicht ausgeräumt werden. Weder die Vorsitzende noch die Wahlkommission sehen sich in der Lage, die Datensicherheit zu gewährleisten und können hiefür daher auch nicht die Verantwortung übernehmen.
Die von Minister Hahn entsandte Vorsitzende und Verfassungsjuristin Gerda Marx wollte es nicht verantworten, die Daten der rund 72.000 StudentInnen der Universität Wien an das Bundesrechenzentrum (BRZ) weiter zu geben. Die Auswirkungen dieses Rücktritts könnten somit einerseits die Verzögerung der Übermittlung der Daten an das BRZ sein, anderseits könnte Minister Hahn nun dafür sorgen, dass die/der nächste Vorsitzende der Wahlkommission keine Bedenken bezüglich E-Voting hat.
Sophie-Marie Wollner, ÖH-Vorsitzteam der Universität Wien, ist wenig verwundert und meint dazu in einer Presseaussendung:
Dass die Wahlkommisionsvorsitzende der größten österreichischen Universität diesem datenschutzrechtlichen Wahnsinn nicht zustimmt, zeigt wie alleine Minister Hahn mit seinem Vorhaben ist.
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Verfasst von LX_T
Dezember 14, 2008
Die Sitzung der Bundesvertretung der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft am vergangenen Freitag in Innsbruck stand stark im Zeichen von Internetwahlen.
Neben Beschlüssen, die das Vorgehen des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung in ihrem Bestreben, bei den kommenden ÖH-Wahlen E-Voting zu ermöglichen, kritisieren, wurde auch das weitere Vorgehen für die geplante Anti-E-Voting Kampagne der ÖH besprochen.
Es werden zwei Kreativwettbewerbe ausgeschrieben, deren Output die Optik der Kampagne bestimmen soll:
- Erstellung eines Slogans, dotiert mit 500€
- Erstellung eines Sujets, dotiert mit 3000€
Das Sujet hat jedenfalls zu enthalten:
- Definition von Farben,
- Zumindest ein Objekt mit Wiedererkennungswert
- die Definition einer Schriftart
- Beispiele für die Verwendung der genannten Dinge auf Plakat, Flyer und Web
Der Slogan bzw. das Sujet hat jedenfalls die in der Beschreibung erläuterten Bedenken der ÖH widerzuspiegeln. Die Kreativwettbewerbe laufen bis 7.1.2009. Sämtliche Vorschläge sind bis dahin per E-Mail an folgende Adressen zu übermitteln:
kreativwettbewerb-slogan@oeh.ac.at für den Slogan, bzw.
kreativwettbewerb-sujet@oeh.ac.at für das Sujet.
Hier sind die Original-Antragstexte für den Slogan-Kreativwettbewerb und für den Sujet-Kreativwettbewerb, die Ausschreibungstexte sind noch in Arbeit.
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Verfasst von sailormeni
Dezember 14, 2008
Die Dayton Daily News berichtet, dass die in Montgomery County (Ohio/USA) eingesetzten Wahlcomputer abgegebene Stimmen nicht gezählt haben:
Earlier this year [1] Montgomery and Butler counties discovered during the March primary that some votes did not properly upload to tabulation servers, but the problem was noted as an error so it was caught during counting.
The difference with the latest problem is the five lost votes would not have been discovered had the special audit not been performed, Harsman said.
„There is currently no checks and balances in the system to ensure that this didn’t happen,“ Harsman said.
He said the memory card contained the votes, but it wasn’t until it was put back into the original voting machine that is re-synced and the 5 missing votes appeared. There is no circumstance during a typical count where a memory card would be put back into the original voting machine, Harsman said.
Damit die fehlenden Stimmen also wieder sichtbar wurden, musste man die Speicherkarte erst nochmals in den Wahlcomputer stecken, was im Regelfall nach der Wahl natürlich nicht mehr passiert. Geschieht das nicht, sind die Stimmen quasi verschwunden und tauchen in der Datenbank, wo die Stimmen zusammengezählt werden, nicht auf.
Bei dem Gerät handelt es sich um ein Modell von Premier Election Solutons (ehemals Diebold), die schon in der Vergangenheit des öfteren negativ durch Fehlverhalten ihrer Geräte aufgefallen sind.
Erste Konsequenz ist, dass am Montag in Trotwood, wo das Problem auftrat, nochmal per Hand nachgezählt wird. Wahlcomputergegner fordern weitreichendere Maßnahmen:
„It validates the concerns people have expressed about these machines,“ said Ellis Jacobs, senior attorney for Advocates for Basic Legal Equality. „If the machines aren’t reliable then they shouldn’t be used.“
[daytondailynews.com]
[via heise]
—
[1] heise.de: Ungezählte Stimmen: Wahlmaschinenhersteller gibt Fehler zu
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Verfasst von marc