Human Factors bei Wahlcomputern

Oktober 29, 2008

“Das Gebiet der Human Factors, also der menschlichen Aspekte und Faktoren bei Wahlmaschinen ist ein sehr weit reichendes und geht von der Akzeptanz des Systems, über Benutzerinterfaces, bis hin zum Einfluss jedes einzelnen Individuums in jeder Phase der Erstellung, des Einsatzes und der Wartung eines E-Voting-Systems.” – aus der “Bibel” ;)

Video the Vote ist ein “Netzwerk von US Journalisten, unabhängigen Filmemachern und Medien-Experten, die zusammen arbeiten um Wähler-Unterdrückung und Aberkennung der Bürgerrechte bei Wahlen zu dokumentieren”. Bei der Initiative geht es nicht rein um Wahlcomputer, sondern auch um andere Arten von Unregelmäßigkeiten wie Wahlkreismanipulationen. Etwa werden durch lange Warteschlangen vor der Wahlkabine Arbeiter dazu gezwungen, die Schlange früher zu verlassen, ohne ihre Stimme abzugeben, da sie einfach wieder wochentags zur Arbeit zurück müssen. Aviel Rubin, E-Voting-Experte von der Johns Hopkins Uni und Autor des hervorragenden Buches “brave new ballot” beschreibt das Problem der langen Warteschlangen vor DRE (driect recording electronic voting machines) ebenfalls.

Hier ein Video von video the vote, das zeigt, wie eine falsche Kalibrierung des Touchscreen-Displays zu einer anderen Wahlentscheidung des Wählers führt (man will Kandidat A wählen, der Computer stimmt aber für Kandidat B):

Im Zusammenhang mit Usability und Ergonomie der Wahlcomputer gibt es aktuell auch das “Wahlmaschinenfiasko in Finnland“, wo in drei finnischen Gemeinden Wahlcomputer getestet wurden. Die Bediehnbarkeit der Geräte war allerdings so schlecht, dass viele ihre Stimme abgaben, aber vergaßen mit “OK” nochmals zu bestätigen, womit die Stimme nicht gezählt wurde. So gingen etwa 2% der Stimmen für immer verloren. Der finnische Abkömmling der EFF, die Electronic Frontier Finland (EFFI), hatte bereits im Vorfeld auf die Mängel hingewiesen, die in einem Bericht beschrieben werden.


“E-Voting unabwendbar”

Oktober 29, 2008

Letzte Woche wurde der CAST-Workshop mit dem Thema “Elektronische Wahlen und Wahlmaschinen” von Melanie Volkamer in Darmstadt abgehalten, wo das “hot topic” E-Voting unter Experten diskutiert wurde. Auf dem Workshop ging es eher um Vorstellung von aktuellen Projekten, wie etwa das T-Systems Projekt voteremote, rechtlichen Fragestellungen und die common criteria (CC) zertifizierung für Internetwahlen und den Hamburger Wahlstift.

Das Problem mit den CC-Zertifizierungen ist, dass sie Sicherheit nur vortäuschen, da nur Aspekte von Sicherheit im Sinne von “Security” erfasst werden (also beabsichtigte Angriffe) und nicht etwa andere Aspekte bei Wahlen, wie Ergonomie, Safety (unabsichtliche Fehler) oder Usability (Bediehnbarkeit). Wahlspezifische funktionale Anforderungen werden bei dieser Sicherheitsevaluierung nicht berücksichtigt.

Im Gegensatz zu unserem österreichischen Vertreter bei dem Workshop, Robert Krimmer, der etwas ungelenk sagte: “Internetwahlen [..] werden sich nicht vermeiden lassen”, denke ich, dass noch viel Diskussionsbedarf zum Thema E-Voting – vor allem in Österreich – besteht.

Hier der ganze Artikel auf heise.de

[Bild via marc]


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